Streiks und Demonstrationen gegen Spardiktat:Griechischer Furor

In Häfen, Krankenhäusern und Schulen geht fast nichts mehr: Konfrontiert mit schmerzhaften Sparauflagen und der Gefahr einer Staatspleite gehen die Griechen auf die Barrikaden. Mit Protesten und einem Generalstreik lehnen sie sich gegen das Spardiktat der ausländischen Geldgeber auf. Die Wut richtet sich auch gegen die deutsche Regierung.

Aus Protest gegen neue Einsparungen sind in Griechenland Tausende in den Streik getreten. Der Protest legte den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt vielerorts lahm. Fähren zu den Inseln der Ägäis blieben in den Häfen. Bahnen fuhren nicht, Schulen waren geschlossen. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle. Supermärkte und Hotels kümmerten sich hingegen um ihre Kunden. Auch die Taxis fuhren.

In Athen demonstrierten nach Schätzungen der Polizei rund 10.000 Menschen bei strömendem Regen gegen die massiven Sparpläne. Am Rande der Demonstration kam es zu kleineren Zwischenfällen. Etwa 200 rechtsorientierte Demonstranten versuchten, den Eingang des Parlaments zu erreichen. Sie forderten mit Sprechchören die Regierung des Finanzexperten Lucas Papadimos zum Rücktritt auf und verbrannten eine deutsche Fahne. Die Polizei setzte Reizgas ein und verdrängte die Demonstranten von der Treppe am Eingang des Parlamentsgebäudes.

Zu den Arbeitsniederlegungen hatten die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten aufgerufen. Der Streik, der vor allem staatliche Unternehmen und auch die Ministerien betrifft, soll 24 Stunden dauern.

Die griechische Regierung ist massiv unter Druck und steht vor weiteren unpopulären Sparmaßnahmen. Die zusätzlichen Einsparungen sind die Bedingung der internationalen Geldgeber für ein weiteres Hilfsprogramm über 130 Milliarden Euro. Die Verhandlungen mit ihnen liefen die ganze Nacht. Der staatliche Rundfunk in Griechenland berichtet, dass das endgültige Dokument mit den neuen harten Sparmaßnahmen bereits fertig sei. Auf der Streichliste stünden neben Einschnitten im privaten Sektor auch Kürzungen im Verteidigungsbudget.

Insgesamt sollen 2012 weitere 4,4 Milliarden Euro eingespart werden. Geplant sind unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor zwischen 20 bis 30 Prozent. Die Regierung in Athen will zudem noch in diesem Jahr 15.000 Staatsbedienstete entlassen. Bis 2015 sollen 150.000 Stellen abgebaut werden.

© Süddeutsche.de/gie/dpa//jab/bbr/gba
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