Steuerbonus für Gebäudesanierung Viel geplant und nix kapiert

Nahezu unbemerkt beerdigen Bund und Länder gerade eines der aussichtsreichsten Vorhaben im Kampf gegen die Energieverschwendung: den Steueranreiz für Haussanierungen. Es scheint, als habe die Bundesregierung die eigene Energiewende nicht kapiert.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Sie ist unsichtbar und tückisch. Sie schleicht sich durch Fensterritzen, Mauerwerk und Dach. Ist sie einmal da, verschlingt sie Unsummen, meistens unbemerkt: die Kälte. Millionen Haushalte haben noch nicht das rechte Mittel dagegen gefunden, denn die Sanierung eines Hauses ist teuer. So bleibt oft nur Heizen. An die 40 Prozent aller Energie in diesem Land geht dafür verloren. Das lastet nicht nur auf dem Klima, sondern auf der ganzen Wirtschaft: Was Mieter und Hausbesitzer für russisches Gas und arabisches Öl ausgeben, lässt sich anders nicht mehr verwenden. Und die Energiepreise steigen auf Dauer so zuverlässig, wie die Temperatur im Winter fällt.

Der Steuerbonus für die Gebäudesanierung sollte Hausbesitzer ermutigen, Dächer zu dichten und Wände zu dämmen. Denn noch immer geht viel Energie durch Mauerwerk und Dach verloren.

(Foto: dpa)

Umso unverständlicher, dass Bund und Länder gerade eines der aussichtsreichsten Vorhaben im Kampf gegen die Verschwendung still beerdigen: den Steueranreiz für energetische Sanierungen. Ausgeheckt als Teil des Energiewende-Pakets dieses Sommers, sollte er Hausbesitzer ermutigen, Dächer zu dichten und Wände zu dämmen. Sanierungen, die ältere Gebäude zu Energiesparern machen, sollten teilweise von der Steuer abgesetzt werden können. Und wenig lockt den deutschen Steuerbürger mehr als die Aussicht, dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen. Ein vergleichbares Programm in den neunziger Jahren jedenfalls erwies sich als Renner.

Wie es aussieht, wird daraus nichts. Die Länder votierten im Bundesrat gegen das Vorhaben, als einziges Gesetz aus dem Energiewende-Konvolut. Schließlich mindert die Abschreibungsmöglichkeit auch ihr Steueraufkommen, um geschätzte 800 Millionen Euro. Nun könnte der Bund den Vermittlungsausschuss anrufen, um das Gesetz noch zu retten. Anstalten dazu macht er aber nicht. So entfleucht eine gute Idee wie die Wärme im Winter. Aus Kleinmut.

Anders lässt sich nicht erklären, dass die Länder zwar von den Kosten reden, nicht aber vom Nutzen. Geld, das nun auch weiterhin in den Import fossiler Energie fließen wird, wäre an Handwerker gegangen, die das brav hätten versteuern müssen. Hausbesitzer, die ein leckes Dach reparieren lassen, hätten den Dachdecker gleich mit der Wärmedämmung beauftragt, um den Steuervorteil noch mitzunehmen. Auch hätte sich manche Sanierung so überhaupt erst rentiert: Denn deren Kosten fallen sofort in voller Höhe an - die Energieersparnis hingegen summiert sich erst über die Jahre.

Klar, der Steuervorteil nutzt nur denen, die bereits so reich sind, dass sie ein Haus besitzen. Mancher empfindet das als ungerecht. Andererseits ist ein klimafreundlicher Staat mit verschwenderischen Gebäuden nicht zu machen. Auch darf ein Steuervorteil nicht diejenigen begünstigen, die ohnehin die höchsten Einkünfte haben; doch dieser Vorteil ließe sich auch deckeln. Über all das könnten Bund und Länder reden, suchten sie nur das Gespräch im Vermittlungsausschuss. Lässt der Bund die Chance dazu verstreichen, hat er die eigene Energiewende nicht kapiert.