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Starbucks:Starbucks schließt Filialen für einen Nachmittag

Philadelphia Councilman Kenyatta Johnson addresses the media along with colleagues, outside the Center City Starbucks, where two black men were arrested, in Philadelphia

Proteste vor der Filiale in Philadelphia, in der ein Mitarbeiter wegen wartender Afroamerikaner die Polizei rief.

(Foto: Mark Makela/Reuters)

Ein Mitarbeiter ließ unbegründet zwei Afroamerikaner festnehmen. Jetzt müssen alle zum Anti-Rassismus-Training.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am 29. Mai wird die Kaffeehauskette Starbucks einen Nachmittag lang mehr als 8000 Filialen in den Vereinigten Staaten zusperren. Das klingt freilich dramatisch, und genau das soll es auch sein, schließlich geht es bei diesem Krisenmanagement um viel mehr als geschätzte Umsatzeinbußen von zwölf Millionen Dollar. Es geht um Rassismus und darum, wie Menschen in diesem Land behandelt werden, wenn sie kurz mal die Toilette benutzen und vor der Bestellung in einem Restaurant oder Café auf einen Geschäftspartner oder Freund warten möchten.

Das Unternehmen bietet seinen 175 000 Mitarbeitern in den USA ein Anti-Rassismus-Training an, Hintergrund ist die Festnahme von zwei Afroamerikanern in einer Filiale in Philadelphia. Ihnen wurde zunächst der Zugang zur Toilette verwehrt, weil sie nichts bestellt hatten - und als sie sich daraufhin an einen Tisch setzten, da rief ein Angestellter die Polizei und ließ die beiden verhaften. Später stellte sich heraus: Die beiden waren zu einem geschäftlichen Treffen verabredet und warteten auf den dritten Teilnehmer.

Der Mitarbeiter wurde entlassen. Doch auf Twitter bildete sich ein Protest, zahlreiche Menschen riefen unser #boycottstarbucks zum Boykott der Kaffeekette auf. Das Unternehmen musste reagieren. Die Empörung war auch deshalb so groß, weil sich der Vorfall in einem Stadtteil von Philadelphia ereignete, in dem gerade einmal drei Prozent der Einwohner Afroamerikaner sind. Einer Studie der Non-Profit-Organisation American Civil Liberties Union zufolge waren aber im vergangenen Jahr 67 Prozent aller in dieser Gegend festgenommenen Personen Afroamerikaner. Das führt zu beklemmenden Fragen: Hätte der Starbucks-Mitarbeiter auch bei zwei weißen Männern die Polizei gerufen? Hätte die Polizei zwei hellhäutige Männer sogleich in Handschellen abgeführt? Hätten zwei Männer mit anderer Hautfarbe eine Nacht im Gefängnis verbringen müssen?

Es sind berechtigte Fragen nach systematischer Diskriminierung in diesem Land, und deshalb ist das Schließen von mehr als 8000 Filialen letztlich keine so krasse Aktion, wie es zunächst erscheint - zumal das nicht zum ersten Mal passiert. Die Schnellrestaurantkette Chipotle hat vor zwei Jahren 2000 Filialen vier Stunden lang geschlossen, um nach einem Skandal über vergammeltes Essen die Mitarbeiter zu schulen. Und auch Starbucks selbst hat vor zehn Jahren schon einmal seine damals 7100 Filialen in den USA für drei Stunden zugesperrt. Der Grund damals: Die Mitarbeiter sollten lernen, wie man einen ordentlichen Espresso presst. "Es war aufgrund der Symbolik ein gewaltiges und elektrisierendes Event", schrieb Starbucks-Gründer Howard Schultz später in seinem Buch "Onward: How Starbucks Fought for Its Life without Losing Its Soul".

"Ich habe versucht, zu verstehen, wie so etwas in der heutigen Gesellschaft in einer Starbucks-Filiale passieren kann", sagte Starbucks-Chef Kevin Johnson während eines TV-Interviews. Er hatte die beiden Afroamerikaner getroffen und sich bei ihnen entschuldigt. "Ich habe Ihnen einfach nur zugehört - und nun versuche ich ganz persönlich, aus dieser schlimmen Geschichte etwas zu lernen."

© SZ vom 19.04.2018
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