Städtebau "Das ist mein Hochhaus, ich liebe es einfach"

Heißt bei vielen Commerzbankern immer noch "neues Hochhaus": Die 1997 fertig gestellte Zentrale.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Vor 20 Jahren bezog die Commerzbank ihren Turm, heute ein Wahrzeichen Frankfurts. Gegen den Bau gab es indes Widerstände.

Von Meike Schreiber

Hätten sie bei der Stadt Frankfurt damals nicht diese klitzekleine Ausnahme gemacht - Deutschlands Bankenstandort Nummer eins sähe heute garantiert anders aus. 1994 war das, da griff der damalige Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen zum Hörer und rief Petra Roth an, seinerzeit Vorsitzende der Frankfurter CDU und kurz darauf Oberbürgermeisterin. Er machte ihr ein verlockendes Angebot: Er wolle, so Kohlhaussen, weitere wichtige Einheiten der Commerzbank von Düsseldorf nach Frankfurt verlegen. Mit vielen Hundert Mitarbeitern. Petra Roth erinnert sich heute: "Ich dachte: Das ist ja großartig, aber einfach so?" Selbstverständlich aber gab es eine Bedingung. Man werde nur umziehen, wenn die Bank in Frankfurt ein neues Hochhaus bauen dürfe, sagte Kohlhaussen, und zwar eines das genau 259 Metern hoch sein solle. So sehe es der Entwurf des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster vor. So aber überstieg es auch die von der Stadt vorgegebene Hochhaus-Obergrenze um schlappe 39 Meter.

Roth versprach, sich für das Vorhaben einzusetzen, überzeugte die damals noch regierende SPD. Das Hochhaus wurde gebaut. Am 16. Mai 1997, also vor genau zwanzig Jahren, bezogen die ersten Mitarbeiter den Turm in der Frankfurter Innenstadt. Mit seinem dreieckigem Grundriss und der markanten Antenne ist es seither nicht nur eine Art Wahrzeichen der Stadt und prägend für die Skyline (Baustil: Postmoderne). Nachts erstrahlt der Turm in der Bankfarbe Gelb. Er ist auch nach zwanzig Jahren immer noch das höchste Hochhaus der Euro-Zone. Sein Bau führte kurz darauf zu einem wahren Hochhaus-Bauboom in Frankfurt. Die umweltschonende Bauweise Fosters gilt auch heute noch als wegweisend. Im Hochhaus gibt es keine Klimaanlage, aber auf neun Etagen Gärten. Sie dienen als Pausenraum für die rund 2600 Menschen, die hier arbeiten, und sollen außerdem die Büros belüften.

Petra Roth jedenfalls bereut nicht, sich damals für den Bau eingesetzt zu haben. "Das ist mein Hochhaus, ich liebe es einfach", schwärmt die langjährige Oberbürgermeisterin auf einem Pressegespräch zum Zwanzigjährigen des Turmes.

Die Commerzbank selbst ist übrigens schon seit dem Einzug nur noch Mieterin ihrer Zentrale. Lange Jahre gehörte die Immobilie einem Fonds, der sie vor wenigen Monaten für rund 620 Millionen Euro an den südkoreanischen Samsung-Konzern verkaufte.