Sportartikel:Kampfansage an Hersteller und Handel

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Decathlon-Filiale

Bei Decathlon gibt es etliche Sportgeräte und auch Schuhe für vergleichsweise wenig Geld. Doch ein Discounter sei man nicht, betont der Chef.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Die französische Sportfirma Decathlon will in Deutschland expandieren.

Von Uwe Ritzer

"Aldi des Sports" - das eigentlich griffige Etikett gefällt André Weinert nicht. Decathlon sei "alles andere als ein Discounter", widerspricht der Chef des inzwischen größten Sportartikelhändlers hierzulande, auch wenn angesichts von Tennisschlägern für zehn oder Sporthosen für fünf Euro etwas anderes zu lesen sei. Schließlich biete Decathlon ein breites Warenangebot, Beratung und Service, was bei den Aldis dieser Welt anders sei.

Seit 1986 verkauft der französische Konzern in Deutschland Sportartikel, doch erst jetzt gab das Unternehmen seine erste Pressekonferenz. Die hatte es in sich. Was Weinert verkündete, war eine Kampfansage an die Etablierten der Branche, an Intersport, Sport 2000, Sport Scheck und wie sie alle heißen. Bis 2026 will Decathlon seinen Umsatz in Deutschland auf 2,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln, 60 Prozent davon sollen dann über einen neuen Online-Shop erwirtschaftet werden. Aus aktuell 84 deutschen Märkten sollen binnen fünf Jahren 110 werden. Und Decathlon will nicht mehr nur Händler sein. Die etwa 80 Eigenmarken sollen zwar ihre Namen behalten, künftig jedoch gekoppelt mit "Decathlon" als übergreifendem Label.

Dessen Haupteigentümer ist die Association Familiale Mulliez (AFM), ein Konglomerat der französischen Familie Mulliez, die auch an der Supermarktkette Auchan oder dem Kleidungshändler Pimkie beteiligt ist. Um seine Ziele zu erreichen, steigt Decathlon größer als Sponsor in eine Sportart ein, als Ausrüster der Internationalen Biathlon-Union (IBU) und der WM 2023 in Oberhof. Auch in den Profi-Radsport kehrt Decathlon zurück. Selbst das Engagement bekannter Sportler als Testimonials schloss André Weinert nicht aus.

"Wir entwickeln uns von einem Sporthändler zu einer Sportplattform", sagte er. Als solche will sich Decathlon vor allem auf die Sparten Radsport, Outdoor, Fitness, Wassersport und Sportmode konzentrieren; auf Fußballfeldern dürfte die Marke also unsichtbar bleiben. Kernzielgruppen seien Kinder und Familien und Menschen unter 40 Jahren.

Nicht nur der Fachhandel, auch die Sportartikelhersteller dürften die Ankündigungen mit Interesse vernehmen; bislang arbeiten von den ganz Großen lediglich Adidas (mehr) und Puma (weniger) mit Decathlon zusammen. Von Nike wird in den Märkten der französischen Filialkette so gut wie nichts verkauft. Decathlon ist für die Hersteller interessant und gefährlich zugleich. Denn einerseits lässt sich die boomende Sporthandelskette nicht ignorieren, andererseits verkaufen Nike, Adidas und Puma ihre Ware am liebsten online selbst, oder über den traditionellen Fachhandel. Vor allem der muss sich angesichts der Offensive etwas einfallen lassen, um nicht weiter an Boden zu verlieren.

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