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Online-Banking:Neue App vergrault Sparda-Kunden

Logo an einer Filiale der Sparda Bank in der Innenstadt München am Abend Bayern Deutschland *** Lo

Sparda-Bank-Filiale in der Münchner Innenstadt: Zu viel Geld für eine schlechte App ausgegeben?

(Foto: Ralph Peters/imago/Ralph Peters)

Die Sparda-Banken wollten moderner und nutzerfreundlicher werden. Doch jetzt sind viele Kunden verärgert - nicht nur, weil ihre Bank sie auf einmal duzt.

Von Clara Thier

Bei Claudia Neuhaus klingeln Ende November 2020 zum ersten Mal die Alarmglocken. Die Münchnerin hatte eine E-Mail von der Sparda-Bank München bekommen: Bis Ende des Jahres sollte sie sich eine neue App für das Online-Banking herunterladen. Damit begann der große Ärger.

TEO nennt sich das Produkt, das im Auftrag mehrerer Sparda-Banken von dem Stuttgarter Fintech Comeco entwickelt wurde. Claudia Neuhaus wollte mehr darüber wissen und fand schnell heraus, dass viele Nutzer die App im Internet schlecht bewerteten. "Damals dachte ich, das ist doch nicht wahr, die können das doch nicht umstellen", berichtet die langjährige Sparda-Kundin, die ihren echten Namen lieber für sich behalten will. Mit der bisherigen Banking-App waren sie und ihr Mann immer zufrieden gewesen, auch ihr Sohn ist seit Kurzem Kunde der Genossenschaftsbank. Kurz darauf teilt ihr die Sparda-Bank München mit, die Umstellung solle doch nicht dieses Jahr stattfinden. Claudia Neuhaus vergisst den Vorfall, bis sie Anfang Februar eine neue E-Mail mit dem lapidaren Hinweis bekommt: "Wir schalten die bisherigen Anwendungen - SpardaApp und SpardaOnline-Banking - ab. Ihr persönliches Abschaltdatum ist der 16.02.2021."

Hinter der neuen Multibanking App stecken die Sparda-Banken Baden-Württemberg, Hessen, Nürnberg, Augsburg und München. Mehr als 60 Millionen Euro hat die App nach Berechnungen des Branchendienstes Finanzszene gekostet, den größten Batzen übernahm die Sparda-Bank Baden-Württemberg. Während Hessen und Augsburg ihren Kunden selbst überlassen, ob sie TEO installieren oder lieber bei der alten App bleiben wollen, planen Nürnberg, München und Baden-Württemberg die Pflichtumstellung in den kommenden Monaten - jedenfalls bis jetzt.

Denn die neue Banking-App TEO, die den Sparda-Kunden "die bunte Welt des Lifestyle-Bankings" näherbringen soll, hat einige Tücken. Zunächst einmal sind da die technischen Probleme, die die App seit ihrem Launch im Januar 2020 immer noch nicht gelöst hat. Man habe immer wieder keinen Zugriff auf die Konten, es gäbe Probleme bei der Installation, und barrierefrei sei die App auch nicht, berichten Kunden. Einige Funktionen der alten App, wie der Geldautomaten-Finder oder die Depotanzeige sind zwar nicht mehr verfügbar, dafür bietet TEO jedoch eine Vielzahl an neuen, zum Teil allerdings nicht unumstrittenen Funktionen: Ein virtuelles Finanzwetter zeigt den Kunden ihre Liquidität an. Als neues Geschäftsmodell werden Rabatte und Gutscheine für unterschiedliche Online-Shops angeboten. Und es gibt jede Menge Werbung. "Zu unübersichtlich", urteilt ein Nutzer in seiner Bewertung. Eine anderer Kunde freut sich, endlich Sparziele festlegen zu können, beklagt sich aber darüber, dass die App innerhalb der ersten 30 Minuten zweimal abgestürzt sei.

Auch die Stiftung Warentest hat Bedenken - wegen des Datenschutzes

Aber nicht nur das ärgert die Kunden. Experten halten auch den Datenschutz für mangelhaft. Eine Analyse der Stiftung Warentest kommt zum Schluss, dass sowohl die TEO App als auch die Website der App nicht datenschutzkonform seien. TEO arbeitet für die Auswertung der Nutzerdaten mit mehreren Anbietern zusammen, zum Beispiel mit dem Marketing-Analysetool der Firma Webtrekk. Wer nichts zahlt, zahlt mit seinen Daten, wissen Internetfachleute. Diese Weisheit gilt bei der Sparda-Bank in München nur bedingt, denn das Geldhaus schaffte bereits 2020 das kostenlose Girokonto ab und plant, die Preise für bestimmte Leistungen zum 1. April ein weiteres Mal zu erhöhen.

Kunden fühlen sich jedoch nicht nur durch die Kinderkrankheiten der App vor den Kopf gestoßen. Wie manche neue, sich jung fühlende Unternehmenschefs ihre Mitarbeiter duzen, duzt die TEO App plötzlich ihre Nutzer. Claudia Neuhaus ist deshalb verärgert: "Das tue ich mir nicht an. Ich will da keine Werbung sehen, ich will einfach nur Überweisungen machen. Und ich will auch nicht geduzt werden." Zweimal fragte sie ihre Bank, ob sich die "Zwangsabschaltung", wie sie es nennt, verschieben lasse. Ohne Erfolg. Angesprochen auf die technischen Probleme, bat ihre Bankberaterin sie, TEO eine Chance zu geben, die App werde "immer besser".

Früher habe sie die Sparda-Bank weiter empfohlen, sagt Neuhaus, die selbst in der Marktforschung arbeitet. "Aber ich bin nicht bereit, Gebühren zu zahlen und mich dann auch noch mit Werbung zumüllen zu lassen." Das Münchner Geldhaus hat mehr als 300 000 Kunden und Kundinnen. Nun aber hat das Ehepaar Neuhaus nach 30 Jahren beschlossen zu wechseln. Und damit dürften sie nicht allein sein.

Jetzt gibt es sogar schon eine Petition

Zahlreiche Kommentare im Netz deuten daraufhin, dass auch andere Kunden wegen der App die Bank verlassen oder zumindest darüber nachdenken. Ein Kunde ist sogar so frustriert, dass er eine Petition auf der Internetplattform change.org eröffnete. Das Ziel: die Abschaffung der TEO App und des TEO-Online-Bankings insgesamt.

Ein Fragenkatalog, den die Süddeutsche Zeitung der Sparda-Bank München zusandte, blieb bis Freitagnachmittag unbeantwortet. Eine Sprecherin des Geldhauses sagte, momentan gäbe es interne Gespräche über die App. Deshalb könne die Bank derzeit keine detaillierten Auskünfte geben. Nach Informationen der SZ gibt es inzwischen auch in der Bank Stimmen, die angesichts vieler Beschwerden die Einführung der App für vorschnell halten und als unglücklich bezeichnen.

Claudia Neuhaus hat sich die TEO App noch nicht installiert. Sie hatte bislang schlichtweg "keine Lust darauf", sagt sie. "Ich brauche keine App, die immer besser wird, sondern eine, die von Anfang an funktioniert." Mal sehen, ob die "Zwangseinführung" nicht ein weiteres Mal verschoben wird.

© SZ/tö
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