Sohn des DDR-Spions Markus Wolf Das Phantom Franz Wolf

Wolf erledigt seine Geschäfte diskret. Nur einmal meldet er sich öffentlich zu Wort - im Herbst 2002. Wenige Tage zuvor ist der Öltanker Prestige vor der spanischen Küste gesunken. Schweröl floss ins Meer, verpestete die Küste. Das Öl, das Helfer noch Wochen später von den Stränden kratzten, gehörte Fridmans Alfa-Imperium. Die in der Schweiz sitzende Firma Crown Resources hatte den Unglückstanker gechartert. Über ein Konstrukt von Holdings und Stiftungen ließ sie sich zur Muttergesellschaft zurückverfolgen: der CTF Holdings mit Direktor Franz Wolf.

Der Neuen Zürcher Zeitung bestätigte Wolf damals, dass die Firma ihren Sitz in Gibraltar hat. Mehr sagte er nicht. Kurz darauf verschwand die Ölfirma vom Markt. Auch das Phantom Franz Wolf tauchte nicht mehr auf.

Die Süddeutsche Zeitung und der NDR haben Wolf und die Alfa-Gruppe gebeten, einige Fragen zu beantworten - zu ihm, seiner Arbeit und Michail Fridman. Die Antwort kam von einem Hamburger Anwalt: Fridmans Firmengruppe wolle keine Fragen beantworten. Dazu eine ernste Warnung: Gegen jede ihre Rechte verletzende Veröffentlichung werde man vorgehen.

Viele russische Bezüge

Die Daten des Offshore-Leaks, das derzeit von Journalisten aus 46 Ländern in einer weltweiten Kooperation erkundet wird, legen Spuren in viele Länder. Für eine Bilanz der Recherche ist es noch viel zu früh. Aber auffällig ist schon jetzt, dass es in den Dateien zwar viele russische Bezüge gibt, aber was und vor allem wer dahintersteckt, lässt sich so leicht nicht beantworten.

Das liegt nicht an den russischen Journalisten, die vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) eingeschaltet wurden, sie sind Profis. Sie haben gelernt, sich auf die Wucherungen von Affären einzulassen, und viele von ihnen sind von einem hohen Berufsethos erfüllt. Die Anfragen, die Recherchen, die Nachforschungen stoßen aber in russischen Fällen entweder auf Widerstand, oder ungewöhnliche Sachverhalte werden normal geredet.

Da sind etwa die Einträge zur Frau von Vizepremier Igor Schuwalow. Sie war Teilhaberin einer Firma auf den Britischen Jungferninseln; die Familie ist inzwischen steinreich. Normal. Auch ein Gazprom-Manager taucht in den Dokumenten auf, er besaß Anteile einer Firma auf den Britischen Jungferninseln. Normal. Einflussreiche Wirtschaftsbosse, darunter Putin-Freunde, scheinen in den Steueroasen ihre wahre Heimat gefunden zu haben. Auch normal. Das gilt inzwischen in Russland als bekannt, wenn auch bedauerlich. Und wer zu neugierig ist, bekommt erst keine Antwort und dann Post vom Anwalt. Das mag man bedauern - andererseits ist die Festplatte mit den mehr als 2,5 Millionen Dateien noch lange nicht ausgewertet. Es wird vielleicht bald neue Fragen geben.

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Summa summarum zu Offshore-Leaks

Wirtschaft wie ein Kriminalroman

Im Falle der Offshore-Leaks geht es nicht darum, Reiche an den Pranger zu stellen - Reichtum ist Ausdruck von Freiheit. Für Mittelständler können Geldtransfers in Steueroasen sogar sinnvoll sein. Über Steuerhinterziehung und Gelder aus Waffen- und Drogenhandel aber muss die SZ berichten.