Software:Microsoft knackt Zwei-Billionen-Marke

FILE PHOTO: General view of Microsoft Corporation headquarters at Issy-les-Moulineaux, near Paris

Der Software-Konzern aus Redmond verdient sein Geld mittlerweile vor allem mit Geschäftskunden.

(Foto: Charles Platiau/Reuters)

Der Software-Konzern läuft oft unter dem Radar, erreicht aber nun einen hohen Börsenwert.

Von Helmut Martin-Jung

Überwachungskapitalisten, Monopolisten - vereint im Akronym GAFA sind die Technologiekonzerne Google, Amazon, Facebook und Apple zuletzt mehr und mehr in die Kritik geraten. Der EU, dem deutschen Kartellamt und zunehmend auch der Politik in den USA bereitet es Sorgen, welche Macht mit der Dominanz der Konzerne einhergeht. Erstaunlich selten wird dabei ein Unternehmen genannt, der ebenfalls eine große Dominanz besitzt: Microsoft.

Wie bedeutend der Konzern ist, wird nun an einer Zahl deutlich, die zu überschreiten einer Art Ritterschlag gleichkommt: Der Börsenwert von Microsoft kletterte an der New York Stock Exchange kurzzeitig auf mehr als zwei Billionen Dollar. Doch warum fliegt das Software-Unternehmen mit Hauptsitz in Redmond im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington derart unter dem Radar?

Das liegt zum größten Teil daran, dass sich der Konzern unter seinem sehr erfolgreichen Chef Satya Nadella zu einem Unternehmen gewandelt hat, das sein Geld überwiegend mit Geschäftskunden verdient. Ja, man kann auch einen Surface-Laptop kaufen, ja, es gibt das auch ziemlich profitable Geschäft mit der Spielekonsole Xbox. Aber die größten Gewinne speisen sich aus Bereichen, mit denen normale Computernutzer nichts oder nur wenig zu tun haben.

Microsoft ist nach Amazon der zweitgrößte sogenannte Hyperscaler, also ein Anbieter von Speicherplatz und Rechenleistung aus Rechenzentren - der Cloud. Bei der Software dafür sind die Redmonder sogar Marktführer, ebenso wie bei Bürosoftware wie Word oder Excel. Dabei hatten einige Branchenexperten Microsoft anfangs der 2010er-Jahre schon totgesagt. Tatsächlich hatte die Firma wichtige Entwicklungen wie die Smartphone-Revolution verschlafen.

Nadella richtete den Konzern neu aus. Das größte Verdienst an der erfolgreichen Neuausrichtung gebührt Firmenchef Nadella. Eher sanft im Ton, aber klar und - wenn es sein muss - hart in der Sache hat der in Indien geborene IT-Experte und Manager unprofitable Geschäftszweige wie das Handy-Business abgeschnitten und alte Gewohnheiten wie die Ablehnung von Open-Source-Software bekämpft. Nadellas Kurs sorgte auch dafür, dass Microsoft in der Pandemie profitierte.

Gegründet 1975 von dem inzwischen verstorbenen Paul Allen und von Bill Gates, brauchte Microsoft bis 2019, um die erste Billion an Börsenwert zu erreichen. Bis zur nächsten Stufe, der Zwei-Billionen-Marke, dauerte es nur zwei Jahre. Microsoft profitierte einerseits vom allgemeinen Run auf Technologie-Aktien, andererseits versprach die Firma mit ihrem profitablen Standbein im wachstumsträchtigen Cloud-Geschäft auch gute Gewinnaussichten.

© SZ vom 24.06.2021
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