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Smartphones:Huawei mit eigenem Betriebssystem

Handys des chinesischen Herstellers sollen von kommendem Jahr an auf Google verzichten und ein selbst entwickeltes Betriebssystem bekommen.

Von Helmut Martin-Jung

Der chinesische Elektronikkonzern Huawei hat angekündigt, wegen des Handelsstreits zwischen China und den USA vom nächsten Jahr an auf alle seine Mobiltelefone das selbst entwickelte Betriebssystem Harmony aufzuspielen. Der Chef der Endkundensparten von Huawei, Richard Yu, sagte bei der alljährlichen Entwicklerkonferenz des Unternehmens in der südchinesischen Stadt Dongguan, die jüngste Version des Systems sei nun global für Entwickler verfügbar. 1,8 Millionen App-Entwickler arbeiteten bereits für Huaweis App Store, die 96 000 Apps würden von 490 Millionen Menschen genutzt.

Zahlen wie diese klingen erst einmal beeindruckend, doch gemessen an den beiden dominierenden Systemen, Android von Google und Apples iOS, ist Huawei ein kleiner Fisch. Android hat weltweit einen Marktanteil von knapp 75 Prozent und gut 2,5 Milliarden Nutzer, iOS kommt auf knapp 25 Prozent. Den kleinen Rest von weniger als einem Prozent teilen sich alle anderen. Diese Marktdominanz aufzubrechen, wird auch einem Konzern wie Huawei sehr schwer fallen. Auch Microsoft ist bei seinem Milliardendesaster mit Smartphones vor allem daran gescheitert, Entwickler davon zu überzeugen, auch eine Version für ihr System zu programmieren. Zudem würden auf jeden Fall die Google-eigenen Apps wie etwa Maps fehlen.

Doch Huawei droht auch von anderer Seite Ungemach, bei der Hardware. In wenigen Monaten bereits werden die Vorräte an Chips erschöpft sein, die das Unternehmen braucht, um weiterhin seine Smartphones mit Prozessoren auszustatten, die in der Oberklasse mitspielen. Auch davon kommen nämlich einige von US-Firmen. Um das Problem zu lösen, muss Huawei seine Lieferkette neu organisieren, doch das ist nicht so einfach, denn die Kapazitäten der Chip-Fertiger sind begrenzt, eine neue Fertigungslinie aufzubauen, gerade für die sehr heiklen Prozesse mit nur noch wenigen Nanometer breiten Strukturen, das dauert.

Das alles trifft Huawei hart, was sich auch daran erkennen lässt, dass das Unternehmen seine knapp 200 000 Mitarbeiter, denen Huawei auch gehört, erst kürzlich dazu aufgefordert hat, virtuelle Aktien der Firma zu kaufen, um mehr Geld in die Kassen zu bringen.

© SZ vom 11.09.2020

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