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Edelmetalle:Was Sie über den Silber-Hype wissen müssen

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Glänzt wie Gold: Silberbarren.

(Foto: Alexander Limbach/Imago)

Silber gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise. Das Edelmetall ist mehr als 60 Prozent teurer als vor einem Jahr. Lohnt es sich noch einzusteigen, oder wird der Rohstoff überschätzt?

Von Felix Petruschke

Das blasse Metall funkelt nicht so schön, ist eher matt, und für den Hals oder den Finger ist es meist auch nur die zweite, respektive die billigere Wahl. Wenn es nur nach dem Aussehen ginge, könnte Silber mit Gold nicht mithalten. Schaut man aber auf die Wertentwicklung von Silber, kann der oft unterschätzte Rohstoff sehr wohl mit dem großen Bruder mitziehen, ja, ihn sogar übertreffen: Silber ist aktuell über die Hälfte mehr wert als im April 2020, Gold hingegen notiert kaum höher als vor zwölf Monaten.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf den Kursverlauf an der Börse: Wer in Silber investiert, braucht starke Nerven. Notierte das Weißmetall 2019 zeitweise unter zwölf Euro pro Feinunze, also genau 31,1034768 Gramm, wird es derzeit für knapp über 20 Euro gehandelt, und 2010 kratzte Silber sogar kurzzeitig an der 50-Euro-Grenze (siehe Chart).

Die Kurssprünge sind also groß. Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, kann leicht auch Verluste machen. Finanzexperten wie Rainer Beckmann, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Ficon, gehen aber davon aus, dass eine anhaltend starke Nachfrage den Preis künftig weiter in die Höhe treibt. Er prophezeit Silber eine "große Zukunft". Verbraucherschützer warnen hingegen regelmäßig, dass Silber als Geldanlage eine riskante und spekulative Sache sei. Was hinter dem Silber-Boom steckt und was Interessierte vor dem Kauf beachten sollten.

Warum gelten Edelmetalle als Krisenwährung?

Wann immer es an der Börse und in der Welt turbulent wird, flüchten Anlegerinnen und Anleger gerne in sogenannte harte Währungen. Zu den gefragtesten zählen dabei Silber und Gold. Diese Rohstoffe sind selten genug, um richtig teuer zu sein, gleichzeitig aber auch in ausreichender Menge vorhanden, um als Tauschwährung verwendet werden zu können. Durch den bloßen Materialwert ist ein Totalverlust quasi unmöglich. Schon seit Jahrhunderten werden Gold und Silber als Zahlungsmittel in der ganzen Welt verwendet.

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Früher waren Silbermünzen ein nicht seltenes Zahlungsmittel.

(Foto: Perry Mastrovito/imago)

Ist Silber das bessere Gold?

In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Preis von Silber (plus rund 50 Prozent) gegenüber Gold (plus rund 40 Prozent) besser entwickelt. Weil der Silbermarkt jedoch deutlich kleiner als der Goldmarkt ist, schwanken auch die Kurse stärker. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Anlageberatung Solvecon Invest, sagt: "Silber ist aggressiver in den Abwärtsbewegungen und damit riskanter als Gold. Andererseits ist Silber zumeist auch in den Aufwärtsbewegungen dynamischer." Im Gegensatz zu Gold ist Silber aber auch für Leute mit kleinem Geldbeutel erschwinglich. Denn ein Kilobarren Gold kostet aktuell fast 50 000 Euro, ein Kilobarren Silber hingegen weniger als 1000 Euro.

Wie wird der Silberpreis berechnet?

Der Silberpreis wird immer mit Preis pro Unze angegeben, genauer gesagt mit dem Preis für eine Feinunze. Diese ist die gebräuchlichste internationale Maßeinheit. (Auch der Goldpreis wird in Preis pro Feinunze angegeben). Aktuell ist eine Unze Silber zwischen 20 und 22 Euro wert. Aber Achtung: An der Börse wird der Preis immer in US-Dollar gehandelt. Das kann dazu führen, dass Anleger durch Schwankungen des Dollar zum Euro Geld verdienen oder verlieren können, selbst wenn sich der Preis für eine Feinunze nicht bewegt.

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Arbeiter schürfen Silber in Bolivien.

(Foto: Lucas Vallecillos/Imago)

Warum ist Silber so begehrt?

Ein wesentlicher Vorteil von Silber ist seine vielseitige Einsetzbarkeit. Das Weißmetall ist sowohl als Edelmetall bei Juwelieren als auch als Industriemetall für die Wirtschaft sehr beliebt. Dort wird Silber unter anderem für den Ausbau von erneuerbaren Energien und der Digitalisierung verwendet, etwa als Leiter auf Platinen in Smartphones und Bildschirmen oder in Solarpanelen. Fast zwei Drittel der jährlich geförderten Menge an Silber wird sofort in irgendeiner Form verbaut. Das "Silver Institute" rechnet für 2021 mit einem Anstieg der weltweiten Silbernachfrage um rund elf Prozent. Die Experten warnen aber: Wenn sich die wirtschaftliche Erholung nicht so stark entwickelt wie erwartet, könnte das auch den Silberpreis negativ beeinflussen.

Wie kann ich Silber kaufen?

Der gebräuchlichste Weg ist der sogenannte physische Kauf. Das heißt, Kunden erwerben das Edelmetall bei einem Händler in Form von Münzen oder Barren. Besonders beliebt sind laut Robert Hartmann, Gründer von Pro Aurum, dem nach eigenen Angaben größten Edelmetallhändler Europas, Anlagemünzen wie der kanadische "Maple Leaf" oder der südafrikanische "Krügerrand". Diese haben gegenüber Münzen, die in Europa geprägt werden (wie etwa dem österreichischen "Philharmoniker") den Vorteil, dass beim Kauf weniger Steuern anfallen.

Warum ist Silber im Einkauf deutlich teurer als an der Börse?

Der größte Haken bei einem physischen Kauf sind die hohen Aufschläge. Verkäufer Hartmann rechnet vor: "Bei physischem Silber kommen Steuer-, Präge-, Fracht-, und Lieferkosten obendrauf. Das bedeutet, dass Sie heute für einen silbernen Krügerrand bei uns 26,60 Euro zahlen müssen. Der Silberpreis an der Börse liegt bei rund 21 Euro. Das macht also einen Aufschlag von etwa 27 Prozent." Bei Silberbarren seien die Aufschläge noch größer, weil diese mit dem vollen Mehrwertsteuersatz (19 Prozent) belegt werden. Diese Aufschläge muss das blasse Metall nach dem Erwerb also erst einmal wieder wettmachen.

Goldschmied schmilzt mit einem Gasbrenner Silber Themenbild, Symbolbild, Schmelze, einschmelzen, Silber, Goldschmiede, 2

Ein Schmied bearbeitet Silber mit dem Gasbrenner.

(Foto: Deutzmann/imago)

Wie kann ich Silber sicher verwahren?

Ein oftmals unterschätztes Problem: Wer für mehrere Tausend Euro Silber kauft, sollte dieses nicht einfach unter die Matratze legen oder in einer Sockenkiste verstecken. Die Kosten für einen Safe, ein Schließfach bei Banken oder privaten Anbietern kommen zu den Anschaffungskosten noch obendrauf.

Welche Alternativen beim Silberkauf gibt es?

Eine Alternative zum physischen Kauf bieten börsengehandelte Wertpapiere. Diese glänzen zwar nicht so schön, wie eine frisch polierte Silbermünze, sind aber vergleichsweise bequem zu kaufen und zu verkaufen. ETCs (Exchange Traded Commodities) sind spezielle Zertifikate, die den Silberpreis nachbilden. Das hinterlegte Silber wird meist an einem Ort zentral gelagert. Mittlerweile gibt es ETCs auch als Sparpläne ab einem monatlichen Betrag von 25 Euro. ETCs bergen auch Risiken, für Laien sind sie nur schwer verständlich: Die Papiere sind als Schuldverschreibungen konstruiert. Falls der Emittent pleitegeht (wie in der Vergangenheit schon häufiger passiert), müssen Anleger ihre Ansprüche mühsam im Insolvenzverfahren durchsetzen. Bei einem der bekanntesten Skandale haben Anleger der Firma Pim Gold insgesamt rund 140 Millionen Euro verloren. Anlageberater Beckmann rät daher nachdrücklich, "bei Edelmetallen auf physische Lieferungen zu setzen. Wer das Metall direkt besitzt, gewinnt höchste Sicherheit, da ihm das Edelmetall dann wirklich gehört und nicht rein über ein Wertpapier abgebildet wird." Hellmeyer empfiehlt seinen Kunden bei der Geldanlage, nicht mehr als fünf Prozent des angelegten Geldes in Gold oder Silber zu investieren. Andere Experten nennen hier als Obergrenze zum Beispiel zehn bis 15 Prozent. So oder so, letzten Endes ist das Investment in Silber eine Wette: darauf, dass sich eines Tages jemand findet, der bereit ist, für das Metall mehr zu bezahlen.

© SZ/tö
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silver cutlery - vintage knife and fork on white background - beautiful decorated table (hanohiki)

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