bedeckt München

Kellerschätze:Wie sich Silber zu Geld machen lässt

silver cutlery - vintage knife and fork on white background - beautiful decorated table (hanohiki)

Den vollen Materialwert bekommt man nicht, sagen Verbraucherschützer.

(Foto: imago)

Silberne Löffel, Messer und Gabeln werden oft von Generation zu Generation vererbt. Doch manche Erben möchten das alte Besteck lieber loswerden.

Von Felix Petruschke

Früher gehörte es beinahe zu jedem Festessen. Auch an Geburtstagen, Weihnachten oder Ostern wurde es aus den Schubladen gekramt, vielleicht noch einmal kurz mit einem Tuch poliert, und dann ordentlich auf dem Tisch drapiert. In gehobenen Restaurants gehört es noch heute zum Standardrepertoire.

Die Rede ist von Silberbesteck. Die verflixte Pandemie macht aber nicht nur Restaurantbesuche unmöglich, auch größere Familienfeiern fallen häufig aus. Doch Besteck aus Edelstahl ist nicht nur günstiger, sondern auch einfacher zu pflegen. Viele Familien haben mittlerweile auch das Silber vom Esstisch verbannt. Das feine Tafelsilber fristet in diesen Haushalten ein trauriges Dasein in dunklen Kisten, auf dem Dachboden oder im Keller. Häufig fällt erst bei einem Umzug oder einer Erbschaft auf, dass es überhaupt noch da ist. Dabei kann echtes Silberbesteck, besonders als vollständiges Set, häufig eine Menge Geld wert sein.

Wie wertvoll die Sammlung Tafelsilber ist, hängt vor allem davon ab, wie viel reines Silber für die Herstellung verwendet wurde. Rein optisch ist für Laien hochwertiges Besteck meist nur schwer von minderwertigen, nur oberflächlich versilberten Industrieprodukten zu unterscheiden, welche häufig als Hotelsilber bezeichnet werden. Ein besseres Indiz ist da schon das Gewicht. Hier gilt als Faustregel: Je schwerer die Gabel oder das Messer, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Silberanteil hoch ist.

Dennoch gibt es auch bei hochwertigem Tafelbesteck unterschiedliche Qualitätsstufen. Dazu sollten Verbraucher wissen: Der Reinheitsgehalt von Silber wird in Tausendstel angegeben. Das historisch wohl bekannteste ist 925er-Silber, häufig auch Sterlingsilber genannt. Die Zahl 925 zeigt dabei an, dass 92,5 Prozent des Metalls aus reinem Silber bestehen. Weitere gebräuchliche Legierungen sind 800, 835 oder 935. Je niedriger die Zahl, desto weniger Silber enthält das Besteck. Versilberte Billigware hat meist nur einen Anteil von zehn Prozent.

Die Küchenwaage kann weiterhelfen

Diese Zahlen, fachsprachlich Punzierungen genannt, sind meist am Griff oder am Stiel eingraviert. Auf diese Weise können Besitzer, zum Beispiel mithilfe einer Küchenwaage, verhältnismäßig einfach den Materialwert zumindest ungefähr bestimmen: Gewicht des Bestecks mal Silbergehalt in Prozent. Aber Vorsicht - der Materialwert hängt vom aktuellen Silberpreis ab, und dieser schwankt zuweilen sehr stark.

Ralf Scherfling, Edelmetallexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagt aber: "Verbraucher sollten sich darüber klar sein, dass sie den vollen Materialwert in der Praxis nicht bekommen". Das liege einfach daran, dass die Ankäufer auch noch etwas verdienen möchten.

Außerdem würden sich die angebotenen Preise von Edelmetallhändlern, Juwelieren oder Antiquitätenhändlern zum Teil enorm unterscheiden. Scherfling empfiehlt Kunden deshalb unbedingt mehrere Händler zu kontaktieren und mit diesen zu verhandeln.

In Ausnahmefällen kann Tafelsilber auch einen höheren Verkaufspreis als den reinen Materialwert erzielen. Das gilt etwa für besonders alte und rare Sammlerstücke bekannter Hersteller wie beispielsweise Bruckmann & Söhne, Robbe & Berking und Auerhahn. In solchen Fällen, sagt Scherfling, kann sich der Verkauf über eine (Online-)Auktion lohnen. Oder man lässt vorab das Tafelsilber von einem professionellen Gutachter schätzen lassen. Der Haken dabei: Dieser Service kostet extra.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema