bedeckt München 21°

Siemens:Besser als gedacht

Ostsee-Windpark EnBW Baltic 2

Siemens-Techniker reisen für Arbeiten in Windparks in Nord- und Ostsee eigens mit Service-Schiffen an.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

Siemens kommt bislang ganz gut durch die Corona-Krise. Ein neues Führungs­team gibt es jetzt auch.

Von Thomas Fromm

Natürlich ist das auf den ersten Blick alles ein bisschen kurios: Da rauscht der Quartalsgewinn eines Unternehmens mal eben um 53 Prozent auf 535 Millionen Euro runter. Und der Wert der Aktie schießt erst mal um bis zu über vier Prozent nach oben, weil ein Analyst von sehr starken Zahlen spricht. Die Sache ist nämlich so: Die Experten hatten damit gerechnet, dass es wegen der Corona-Krise viel schlimmer kommen würde.

Stattdessen aber ist Siemens - trotz Corona, trotz Wachstumsrückgangs in wichtigen Märkten, trotz Nachfrageschwäche in Schlüsselindustrien wie der Autobranche und dem Maschinenbau, und trotz internen Umbaus - bislang ganz gut durch die Krise gekommen. Der Auftragseingang ging zwischen April und Juni um sieben Prozent auf 14,4 Milliarden Euro zurück - ein eher verhältnismäßig kleiner Rückgang verglichen mit den Einschlägen etwa in der Autobranche. "Wir haben ein bewegtes und sehr arbeitsreiches Quartal hinter uns", sagt Siemens-Chef Joe Kaeser.

Was er dagegen noch vor sich hat, weiß er nicht wirklich. Nur, dass das nächste Quartal nicht viel weniger bewegt sein dürfte als das vorherige. Vieles hängt davon ab, wie es mit Corona weitergeht. Die erste Welle habe man gut bewältigen können, und auch für die nächsten Monate sei man "gut gerüstet". Aber so genau lässt sich das alles nicht vorhersagen. "Wir wissen nicht, ob, wann und wie sich eine zweite Welle auf unsere Lieferketten auswirken wird", sagt Kaeser. Deshalb will er auch keine Prognose für den Rest des Jahres wagen.

Ein Blick in die Details der vergangenen Monate ist jedoch einigermaßen aufschlussreich: Vor allem die Zug-Sparte und der Verkauf von Software für Industrie-Automatisierung waren es, die das Geschäft stützten. Die Verluste dagegen kamen vor allem aus der Energiesparte und hier in erster Linie: von der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa. Das ist gleich in zweifacher Hinsicht problematisch: Erstens, weil man die Energietechnik-Sparte Siemens Energy am 28. September an die Börse bringen will. Und zweitens, weil gerade das Windenergiegeschäft zu den moderneren Teilen der Energiesparte gehört. Das Geschäft mit Kohle dagegen gilt auf Dauer gesehen eher als Auslaufmodell, das man zuerst zurückfahren und dann irgendwann ganz kappen will.

Allerdings war es nicht nur ein Tag der Zahlen. Immer mehr nimmt das Personal der Nach-Kaeser-Ära Gestalt an. Roland Busch, der Kaeser Anfang 2021 ablösen soll, baut sein neues enges Führungsteam auf: Der 47-jährige Cedrik Neike, der als einer der wichtigen künftigen Köpfe im Konzern gilt, soll im Vorstand Buschs Mann für das Industriegeschäft werden. Bereits zuvor schon war Judith Wiese zur Personalchefin ernannt worden.

© SZ vom 07.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite