Shell Höherer Ölpreis lässt  Gewinne steigen

Europas Marktführer profitierte im vergangenen Jahr aber auch von zurückhaltenderen Investitionen in neue Förderprojekte, was das Angebot reduziert. Zudem sinken die Kosten.

Von Björn Finke, London

Jetzt wird die Ernte eingefahren: Als der Ölpreis im Sommer 2014 anfing, rasant zu fallen, kappten die Öl- und Gasförderer Ausgaben, strichen Investitionen und Jobs. Doch inzwischen legt die Notierung wieder zu, ein Barrel, also 159 Liter, kostet um die 70 Dollar. Vor zwei Jahren waren es weniger als 30 Dollar. Die niedrigeren Kosten und höheren Preise ließen die Gewinne von Europas größtem Öl- und Gaskonzern, Royal Dutch Shell, im vergangenen Jahr rasant steigen. Das britisch-niederländische Unternehmen verdiente 16 Milliarden Dollar, wie Vorstandschef Ben van Beurden am Donnerstag in London mitteilte. Das sind 13 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie 2016.

Shell-Chef van Beurden sagte, der höhere Ölpreis sei nicht bloß das Ergebnis von Stimmungsschwankungen an den Finanzmärkten, sondern beruhe auf Änderungen bei Angebot und Nachfrage: "Die Nachfrage steigt stark." Zugleich würden die Konzerne "disziplinierter" in neue Förderprojekte investieren, weswegen das Angebot langsamer wachse. Im Frühjahr 2015, inmitten des Preisverfalls, hatte Shell verkündet, den britischen Gasproduzenten BG für 54 Milliarden Dollar zu erwerben - die größte Übernahme in der Firmengeschichte. Van Beurden sagte, dass er weitere Zukäufe nicht ausschließe, aber wichtiger sei es im Moment, die Schulden weiter zu senken, die dieses Geschäft kräftig hochgetrieben hatte.