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Schwedischer Firmengründer Ingvar Kamprad:85-jähriger Ikea-Chef will noch 15 Jahre weiterarbeiten

Wenn der Ikea-Gründer eine Filiale seiner Möbelkette einweiht, stützen ihn Mitarbeiter. Ingvar Kamprad ist zwar wacklig auf den Beinen, rhetorisch gibt er sich indes fit wie nie. Der Patriarch denkt gar nicht daran, das Geschäft an seine Söhne zu übergeben.

Gunnar Herrmann, Stockholm

Was wird aus Ikea ohne Ingvar Kamprad? Darüber wird in der Wirtschaftspresse seit Jahren spekuliert. Zwar zieht der Firmengründer nach wie vor die Fäden bei der Möbelkette, die mit 130.000 Mitarbeitern zu den größten Familienunternehmen der Welt zählt. Doch Kamprad ist 85 Jahre alt. Wenn er öffentlich auftritt, etwa um ein Möbelhaus einzuweihen, wird er meist von Mitarbeitern gestützt. Er wirkt wacklig auf den Beinen, seit zweieinhalb Jahren hat er einen Herzschrittmacher. Das befeuert die Gerüchte über seinen angeblich schlechter werdenden Gesundheitszustand.

Kamprad, founder of IKEA announces a donation to Lausanne's Cantonal School of Art

Kamprad, fotografiert im März 2006.

(Foto: REUTERS)

Nun beendete der Patriarch die kursierenden Mutmaßungen: "Das macht mich wütend", erklärte er der schwedischen Zeitung Smålandsposten, die in seiner ehemaligen Heimatstadt Älmhult erscheint. Und beendete damit vorerst alle Mutmaßungen. Er fühle sich "zu 130 Prozent gesund", von Rückenschmerzen abgesehen. Das Interview ist das erste seit dem Tod seiner Frau Margaretha im Dezember, er habe an ihrem Sterbebett "geheult wie ein Kind", verrät der Möbelmilliardär. Und plaudert dann über Firma und Familie.

Kamprad ist in letzter Zeit mehrfach in die Kritik geraten. Da waren etwa die Enthüllungen über seine Nazi-Vergangenheit: Als junger Mann war Kamprad Mitglied einer nationalsozialistischen Partei in Schweden - wofür er sich später in einem Brief an seine Angestellten entschuldigte. Neue Recherchen legen jedoch nahe, dass er länger als eingestanden, bis in die 1950er Jahren hinein, für rechtes Gedankengut schwärmte.

Recherchen von Journalisten sind für ihn "Idiotenfragen"

Außerdem hatten schwedische Medien vor einem Jahr aufgedeckt, dass große Summen von Ikea der Stiftung Interogo im Steuerparadies Liechtenstein zukommen. Im Hochsteuerland Schweden empfinden dies viele Menschen als anrüchig. Kamprad, der seit langem in der Schweiz lebt, reagierte verärgert: "Wie kannst du nur solche Idiotenfragen stellen", raunzte er damals einen Journalisten an, der in der Sache recherchierte. Inzwischen räumt Kamprad "Nachlässigkeit" ein, die Verantwortung aber schiebt er seinem Anwalt zu.

Und so erscheint Kamprad weiterhin als netter, älterer Herr, der vielleicht zu gutgläubig und ein bisschen geizig ist. Dieses Selbstbild hat der Möbelhändler, der zu den reichsten Menschen der Welt gerechnet wird, sein Leben lang sorgfältig gepflegt. Wie viel davon wahr ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Tatsache bleibt: Kamprads leicht schrullige Persönlichkeit ist eine tragende Säule für das positive Markenimage, mit dem Ikea Milliardenumsätze erwirtschaftet.

Bleibt also die Frage: Wie lange kann der Konzern noch mit seinem wichtigsten Sympathieträger rechnen? Kamprad denkt im Interview zumindest über einen Generationenwechsel nach: Ungewohnt milde äußert er sich über seine Söhne Peter, Jonas und Mathias, die er früher schon mal als unfähig bezeichnet haben soll. "Die Jungs sind auf dem Weg, es zu lernen", lobt er seine Erben, die selbst bereits auf die 50 zugehen.

Bis zur endgültigen Übergabe bleibe aber etwas Zeit, sagt Kamprad. "Mein Herzschrittmacher hat noch 15 Jahre Garantie."

© SZ vom 16.02.2012/ueb
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