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Schnelles Internet:"Ein Marathon, kein Sprint"

Smartphone-Tastaturen: ´ai.type" macht Ärger auf Androiden

Geht es nach dem Justizministerium, dann sollen Handyverträge künftig nur noch eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.

(Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn)

Bei der technischen Aufrüstung holt Deutschland auf, doch das Ziel ist noch weit entfernt.

Von Helmut Martin-Jung

Zuerst die gute Nachricht: Wenn es um sehr schnelle Internetanschlüsse von einem Gigabit pro Sekunde und mehr geht, bewegt sich etwas in Deutschland. Bis Ende Juni dieses Jahres werden 24 Millionen Haushalte die Möglichkeit haben, einen solchen Highspeed-Anschluss zu nutzen - fast 30 Prozent mehr als noch Ende 2019 (18,5 Millionen). Dass der Ausbau voranschreitet, stimme ihn hoffnungsfroh, sagte Torsten Gerpott, Professor an der Universität Duisburg-Essen, bei der Vorstellung einer Marktanalyse, die im Auftrag des VATM entstanden ist, dem Verband der Telekom-Konkurrenten.

Zwar liegt Deutschland in Bezug auf schnelle Internetanschlüsse noch immer hinter anderen Ländern, allerdings gehöre das Land zu den am schnellsten wachsenden Märkten für Glasfaseranschlüsse, sagte VATM-Präsident Martin Witt. 600 000 neue Glasfaseranschlüsse seien hinzugekommen, der beste Wert, der je erreicht wurde, und dies trotz knapper Kapazitäten im Tiefbau.

Doch es gibt auch weniger gute Nachrichten. Denn, so der Wirtschaftswissenschaftler Gerpott, bisher seien vor allem die tief hängenden Früchte geerntet worden. Die meisten Gigabit-fähigen Anschlüsse gehen auf das Konto von Anschlüssen über das TV-Kabel. Hierbei kommt der Übertragungsstandard Docsis 3.1 zum Einsatz sowie spezielle Hardware und Software. Die Kabel selbst müssen dafür nicht neu verlegt werden. Unternehmen wie der britische Konzern Vodafone haben also mit vergleichsweise überschaubaren Investitionen ein großes Potenzial an schnellen Anschlüssen schaffen können.

Doch nur etwa zwei Drittel der Haushalte können per TV-Kabel erschlossen werden, für das letzte Drittel bleibt nur Glasfaser, eventuell auch 5G-Mobilfunk. Aber auch die dafür nötigen Masten müssen schließlich per Glasfaser-Kabel angebunden werden. Und das ist teuer. Es fehlen Bautrupps, die behördlichen Genehmigungen ziehen sich oft hin. Gerpott prophezeit, das Ziel der Regierung, bis 2025 Gigabit-Anschlüsse für alle Bürger bereitzustellen, werde deshalb nicht erreicht werden: "Das wird ein Marathon, kein Sprint."

© SZ vom 30.04.2020
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