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Schlachthöfe:Kontrollstellen sind hoffnungslos unterbesetzt

Eine große Schwachstelle im System sind die Kontrollen. Wie einfach es ist, mit gefälschten Papieren illegale Ware in legale umzuwandeln, haben die Pferdefleischskandale von 2013 und 2015 gezeigt. Dass die illegalen Geschäfte mit falsch ausgezeichnetem Fleisch schwer aufzudecken sind, liegt daran, dass jeder Händler und Verarbeiter nur zu Eigenkontrollen verpflichtet ist. Ob die Angaben seines Lieferanten stimmen, muss er nicht prüfen.

Staatliche Stellen, die Industrie und Viehhalter überwachen sollen, sind hoffnungslos unterbesetzt und dürfen zudem nur regional agieren. Eine global vernetzte Fleischindustrie lässt sich so kaum kontrollieren. Wer gegen Gesetze verstößt, kann also davon ausgehen, dass dies länger unentdeckt bleibt. So kann es Jahre dauern, bis schwere Verstöße überhaupt auffallen oder gar eine Strafe nach sich ziehen.

Nur ganz selten ordnen die Behörden eine Betriebsschließung an, wie im vergangenen Dezember bei einem großen Schweinehalter in Sachsen-Anhalt. Der war zuvor über Jahre hinweg immer wieder wegen Tierschutz-Verstößen gerügt worden, ohne dass etwas geschehen wäre. Von Dauer war diese drastische Maßnahme nicht. Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg kippte im April das Verbot, mit der Begründung, dass es zwar Verstöße gegeben haben, ein Haltungsverbot aber nicht angemessen sei. Der Schweinehalter darf weitermachen.

Wie ohnmächtig die für Kontrollen zuständigen Amtsveterinäre sind, macht eine Anfrage beim Landwirtschaftsministerium in Magdeburg deutlich. Dort wurden 2013 nur sechs Prozent der etwa 4000 Schweinehalter kontrolliert. In anderen Ländern ist die Quote kaum besser.

Der Zwang in der Branche, immer noch billiger zu produzieren, geht eindeutig zu Lasten der Tiere. Das machen auch die zunehmenden Verstöße gegen den Tierschutz in der Massentierhaltung deutlich. Laut Bundesregierung hat sich die Zahl der bekannten Fälle in den vergangenen vier Jahren beinahe verdoppelt. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

Subventionen bezahlt die Politik - Transparenz schafft sie aber nicht

Fleisch ist hierzulande billig wie nie zuvor, so scheint es zumindest. Doch nur ein Bruchteil des wahren Preises wird an der Supermarktkasse gezahlt. Die Steuerzahler finanzieren den niedrigen Fleischpreis über ihre Abgaben. Sie müssen nicht nur für die Subventionen der Landwirtschaft, sondern auch für Umweltschäden aufkommen, die durch eine exzessive Fleischproduktion entstehen.

Und die Politik? Sie scheint ratlos und schaut weg. Dabei wäre es ihre Aufgabe, echte Transparenz für Verbraucher zu schaffen, um das Leid der Tiere zu minimieren und der Fleischindustrie Grenzen zu setzen. Dazu gehören etwa Kontrollbehörden, die über Landesgrenzen hinweg vernetzt sind und personell deutlich aufgestockt werden, damit sie der bestens aufgestellten Fleischindustrie begegnen können.

Das Geld dafür wollen weder Berlin noch Brüssel bereitstellen. Dabei wären die Mittel durchaus vorhanden. Immerhin knapp 40 Prozent des gesamten EU-Haushaltes fließen jedes Jahr in Form von Subventionen in den Agrarsektor, ein Teil davon in die Fleischwirtschaft. Doch der Großteil wird nach dem Gießkannenprinzip verteilt, statt Erzeuger stärker zu belohnen, die sich für eine umweltverträgliche und tierfreundliche Produktionsweise entscheiden.

Freiwillige Initiativen der Branche für Verbesserungen in der Tierhaltung gibt es zuhauf, genützt haben sie bislang wenig. Mehr Transparenz lässt sich nur herstellen, wenn sich auch die Abläufe in der Produktion ändern, die es möglich machen, Tiere einzeln zu verarbeiten und unterschiedliche Qualitäten zu produzieren - und die dann auch auf der Verpackung entsprechend ausgewiesen werden. Dies wäre ein Anreiz für Halter, mehr für ihre Tiere zu tun, weil sie für bessere Qualität einen höheren Preis erzielen können.

Uns Kunden allein die Schuld für die Misere in Ställen und Schlachthöfen zu geben, ist nicht nur zynisch, sondern auch falsch. Wir haben die Regeln nicht gemacht, müssen aber mit den negativen Folgen leben. Solange der Preis das einzig wirklich erkennbare Vergleichsmerkmal beim Einkauf im Supermarkt bleibt, kann man Konsumenten nicht zum Vorwurf machen, wenn sie sich daran orientieren. Eine andere Wahl haben sie nicht - es sei denn, sie verzichten ganz auf Fleisch.