Deutsche Bank zahlt Schadenersatz für Kirch-Erben:Neuer Ärger für Breuer

Die Erben von Medienmogul Leo Kirch sollen von der Deutschen Bank 800 Millionen Euro bekommen: Bei solchen Summen wird das Unternehmen wohl prüfen, ob es Manager in Regress nehmen muss. Ex-Chef Rolf Breuer selbst wird sicherlich nicht alles bezahlen können.

Klaus Ott

Seit zehn Jahren schon verfolgt Rolf Breuer dieses unselige Fernseh-Interview, in dem er Anfang Februar 2002 die Kreditfähigkeit von Leo Kirch angezweifelt hatte. Zehn Jahre, in denen der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank von dem Münchner Medienunternehmer erst verklagt und dann auch noch angezeigt wurde, was zu vielen Prozessen und Ermittlungen führte. Kirch machte Breuer ("Der Rolf hat mich erschossen") für die Pleite seines Film- und Fernsehimperiums verantwortlich. Und das hat auch nach dem Tod des Medienhändlers im Juli 2011 noch viele Folgen. Womöglich sogar noch eine ganze Weile.

Deutsche Bank will Schadenersatz von Rolf Breuer

Die Causa Leo Kirch könnte Rolf Breuer noch einige Jahre lang beschäftigen.

(Foto: dpa)

Wenn der langjährige Spitzenbanker mit der großen, runden Brille Pech hat, wird ihm dieser Fall noch einige Jahre mehr zu schaffen machen. Dann nämlich, wenn die Deutsche Bank Kirchs Erben jene 800 Millionen Euro Schadenersatz zahlen sollte, auf die man sich nun verständigt hat. Nicht ausgeschlossen, dass Breuer sogar noch größere Probleme bekommt, als er bislang schon hatte.

Bei solchen Zahlungen ist es üblich, dass das betroffene Unternehmen genau prüft, ob es den einen oder anderen Manager in Regress nehmen muss. Genau das wolle die Deutsche Bank auch bei Breuer tun, heißt es aus Finanzkreisen. Zuvor wolle das Institut mit dem früheren Vorstandssprecher reden.

Breuer könnte seinem alten Arbeitgeber natürlich nie die 800 Millionen Euro ersetzen. Sein privates Vermögen, darunter drei Immobilien in Berlin, Frankfurt und Kitzbühel, wird auf maximal zehn Millionen Euro geschätzt. Aber da ist ja noch die Manager-Haftpflicht-Police, welche die Bank für ihre Führungskräfte bei großen Versicherern im In- und Ausland abgeschlossen hat.

Bis zu 500 Millionen Euro soll die Deckungssumme betragen. Die Bank will nun mit den Versicherern verhandeln. Noch ist offen, wie viel dort zu holen ist. Erfahrungsgemäß nicht viel. Versicherer sträuben sich in solchen Fällen gerne und zahlen dann nur einen Teil des Betrages, der in der Police steht. Und das erst nach vielen Monaten oder gar Jahren.

74 Jahre ist Breuer inzwischen alt - doch bis er seinen Ruhestand endlich genießen kann, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Erst müssen Rechtsabteilung und Vorstand der Deutschen Bank prüfen, ob sie den von Bankchef Josef Ackermann ausgehandelten Vergleich mit Kirchs Erben so unterschreiben können und sollen. Diese Woche werde das wohl nichts mehr, ist aus Finanzkreisen zu hören. Der Deal sei "noch nicht in trockenen Tüchern", die Interessen der Aktionäre müssten berücksichtigt werden, wird argumentiert.

Gut eine halbe Milliarde Euro könnten an der Deutschen Bank hängen bleiben, sollte es tatsächlich zu dem Deal mit den Kirch-Erben kommen. Schadenersatzprüfungen bei Breuer würden bestimmt folgen. Der Ex-Chef müsste freilich nicht befürchten, am Ende mit leeren Taschen dazustehen. So weit ist es in all den spektakulären Schadensfällen der vergangenen Jahre in der deutschen Wirtschaft noch bei keinem Top-Manager gekommen. Breuer wird wohl Millionär bleiben. Allerdings zum Preis von noch einigen Jahren Ärger.

© SZ vom 15.02.2012/mkoh
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