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Saab: Neuer Eigner:Zukunftsängste lassen Trollhättan schlottern

Saab ist an Spyker verkauft. Doch die Mitarbeiter im Stammwerk wissen immer noch nicht, wie es bei dem Autobauer weitergeht.

Für Trollhättan war die letzte Januarwoche wohl die ruhigste seit langem. Das verdankten die Einwohner der Saab-Stadt Victor Muller. Muller ist Chef des winzigen Sportwagenherstellers Spyker und hatte den Kaufvertrag für Saab unterschrieben.

Saab, Foto: dpa

Der Saab 92 aus dem Jahr 1950 war das erste Automodell des Herstellers. Das Unternehmen wurde jetzt von dem Sportwagenbauer Spyker vor dem Aus gerettet. Dennoch stehen Saab und der schwedischen Autoindustrie unsichere Zeiten bevor.

(Foto: Foto: dpa)

Die Übernahme der schwedischen Automarke war besiegelt - und monatelange Spekulationen um Saabs Schicksal hatten ein Ende. Die gut 3000 Beschäftigten konnten aufatmen, eine Schließung ihres Betriebs müssen sie vorerst nicht mehr fürchten.

Stattdessen warten sie nun gespannt, wie der neue Eigentümer den Autobauer wieder flottmachen will. Der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Jöran Hägglund, muss nicht lange überlegen, um detailliert zu antworten: "Die nächsten zwei bis drei Jahre sehen erst einmal gut aus, da gibt es neue Modelle, die bald auf den Markt kommen", sagt er.

Saab sucht seine Nische

Richtig schwierig werde es erst danach. Als sehr kleiner Hersteller werde Saab Partner brauchen. Gleichzeitig müsse die Marke sich eine Nische im Premiumbereich erkämpfen und mindestens 100.000 bis 150.000 Autos im Jahr verkaufen. Gerettet sei Saab mit der Übernahme noch nicht, fasst Hägglund zusammen.

"Aber die Wahrscheinlichkeit für das Überleben ist größer geworden." Es ist bezeichnend für den Zustand des gesamten Wirtschaftszweiges, dass ausgerechnet ein Politiker der zurzeit beste Kenner der schwedischen Autoindustrie ist.

Hägglund koordiniert seit Ende 2008 als Spezialbeauftragter der Regierung alle Maßnahmen rund um die Fahrzeugbranche. Als Ford und General Motors den Verkauf ihrer schwedischen Töchter Saab und Volvo bekannt gaben, flog er nach Detroit. Er prüfte Kaufangebote und Geschäftspläne, verhandelte über Kreditgarantien für die Europäische Investitionsbank (EIB).

Volvo-Verhandlungen mit Chinesen laufen noch

Hägglund war dabei, als seine Chefin, Wirtschaftsministerin Maud Olofsson, erleichtert verkündete, der Verkauf von Saab sei abgeschlossen. Mission erfüllt? "Das kann man nicht sagen", seufzt der Staatssekretär. Und es ist derzeit nicht seine einzige. Hägglund vermittelt auch im Verkauf von Volvo Cars an den chinesischen Autohersteller Geely.

Eigentlich hätte auch dieses Geschäft schon abgeschlossen sein sollen. Aber nun werden sich die Verhandlungen noch hinziehen. Geld sei - anders als bei Saab - wohl nicht das Problem. "Hier geht es eher um weiche Fragen." Zum Beispiel darum, welche Technologien die Chinesen zusammen mit Volvo von Ford übernehmen dürfen.

Hägglund ist zuversichtlich. Die dortige Regierung unterstütze die Übernahme. Sein Optimismus ist wichtig: Volvo ist die größere der beiden schwedischen Automarken und produziert zehnmal mehr Fahrzeuge im Jahr als Saab.

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