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Rohstoffmarkt:Willkommener Nebeneffekt

Kurzfristig könnte das Kartell also eingreifen und seine Fördermenge kürzen. Einige Mitglieder haben ein großes Interesse an höheren Preisen, denn jedes Opec-Land weiß genau, wie viel Öl mindestens kosten muss, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Vor allem Venezuela bekommt Probleme, wenn der Preis für ein Barrel Öl unter die 100-Dollar-Marke sinkt.

Der Haken ist nur: Es mag den Preis für kurze Zeit stützen, wenn die Opec weniger Öl fördert. Aber wenn nicht Ölförderländer außerhalb des Kartells mitziehen, wird es schwierig. "Für Saudi-Arabien wird es immer teurer, die Fördermengen zu kürzen", sagt Gernot Klepper vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die höheren Preise reichten bei geringerer Produktion nicht aus, die Öleinnahmen aufrecht zu erhalten. Fährt die Opec ihre Produktion zurück, heißt das also noch lange nicht, dass die Kartellstaaten auch mehr verdienen. Fällt der Preis weiter, geraten die Länder in massive Schwierigkeiten.

Wie riskant die Manipulation der Produktionsmengen sein kann und wie wenig Macht manche Länder auch bei großen Marktanteilen haben, hat Saudi-Arabien schon einmal erlebt, als der Preis für ein Fass Öl in den Achtzigerjahren noch heftiger fiel als jetzt. Damals begann der Boom des Offshore-Öls in der Nordsee, nachdem die beiden Ölkrisen 1973 und 1979 zu einer deutlich geringeren Nachfrage geführt hatten.

Das saudische Königreich versuchte, den Preisverfall aufzuhalten, und schrumpfte seine Produktion von zehn Millionen Barrel im Jahr 1980 auf 2,5 Millionen fünf Jahre später. Trotzdem fiel der Preis weiter, von 35 auf nur noch zehn Dollar. Andere Produzenten zogen nicht mit, neue Anbieter wie Großbritannien und Norwegen machten ihre eigenen Geschäfte. Es dauerte 16 Jahre, bis sich das Land im Nahen Osten davon erholte und seinen Haushalt wieder ausgleichen konnte.

Teure Förderung in der Arktis

Es sieht so aus, als hätte das Land aus der Zeit gelernt. Alles deutet darauf hin, dass Saudi-Arabien abwarten wird, bis der Preis von allein eine Untergrenze erreicht. Für ein oder zwei Jahre könnten die Saudis mit Preisen um 80 Dollar pro Fass leben, wurde aus New York berichtet. Damit könnte das Königreich aus dem Nahen Osten die neue Konkurrenz, die vor allem in den USA entstanden ist, auf Abstand halten: Dort werden Tiefsee-Gebiete oder die Arktis zur Ölförderung erschlossen, doch diese teuren Investitionen lohnen sich oft erst ab Preisen von mehr als 90 Dollar. "Aus saudischer Sicht wäre das wohl ein willkommener Nebeneffekt niedriger Preise", sagt Ressourcenökonom Klepper.

Es bleibt die Frage, wie mächtig die Opec langfristig als Kartell agieren kann. Die Mitgliedsländer sind zerstritten wie selten zuvor, und ihr Anteil am weltweit verschifften Öl wird nicht mehr steigen. Langfristig könnten sie nichts gegen ihren Machtverlust tun, sagt Klepper.

Mit der Opec verliert auch das Öl an Bedeutung: Sein Anteil am Welt-Energiemix ist seit 40 Jahren um beinahe ein Drittel gesunken - eine fortdauernde Entwicklung, die so leicht nicht zu stoppen ist.

© SZ vom 16.10.2014/kat
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