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Reden wir über Geld:"Eine rosa Handtasche ist ein soziales Experiment"

Nike van Dinther ist eine der erfolgreichsten Modebloggerinnen im Land. Doch wie perfekt das Leben auf Instagram wirkt, findet sie selbst manchmal "zum Kotzen".

Nike van Dinther bittet in ihre Berliner Wohnung. Wie die aussieht, kennt man von Instagram: die Bücher im Regal nach Farben sortiert, hinten an der Wand eine Kleiderstange, daran so manche Designertasche. Die 29-jährige Van Dinther fläzt sich in ihren Sessel und beginnt zu erzählen, wie das damals losging. Vor sieben Jahren startete sie gemeinsam mit ihrer Freundin Sarah Gottschalk den Blog "This is Jane Wayne". Beide wollten über Mode schreiben - und waren dafür bereit, auch mal eine Zeit lang von Hartz IV zu leben. Die Dinge, die sie auf dem Blog besprachen, konnten sie sich selbst nicht leisten. Heute ist das anders.

Denn heute gehört "This is Jane Wayne" zu den erfolgreichsten Modeblogs in Deutschland, ist eine Partnerseite der Zeitschrift Vogue. Nike van Dinther und Sarah Gottschalk werben für Firmen wie Airbnb und Zalando, sie beraten Unternehmen, vor kurzem haben sie eine eigene Mode-Kollektion heraus gebracht. Sie sind, was Marketingabteilungen als "Influencer" bezeichnen. Ihren Blog lesen so viele Menschen, dass Unternehmen die beiden dafür bezahlen, bestimmte Produkte zu tragen und zu erwähnen. Auch wenn man immer genau abwägen müsse, was man annehme und was nicht, sagt Van Dinther, denn "für einen Kleckerbetrag muss ich mich nicht selbst verraten". Überhaupt fände sie es gut, wenn die Menschen "endlich checken würden, dass Instagram nicht das wahre Leben ist" - wie perfekt dort immer alles aussieht, findet sie selbst "zum Kotzen".

Privates soll auch privat bleiben

Die Tatsache, dass auch sie ihr Leben täglich inszeniert und jeder weiß, wie ihr Sofa, ihr Bücherregal und ihre Kommode aussehen, stört van Dinther hingegen weniger: "Objekte, mein Sofa oder mein Bett, sind für mich keine Privatsphäre". Denn privat werde es doch erst, wenn sie in dieses Wohnzimmer Freunde einlade. Und diese Abende teile sie nicht.

Sehr genervt ist Van Dinther wiederum davon, dass ihr jeder sofort unterstellt, sie habe nichts im Kopf, nur weil sie sich für Mode interessiere. Neuen Bekanntschaften erzählt sie deshalb lieber erst gar nicht, wie sie ihr Geld verdient. "Es wird einem automatisch eine Denkleistung abgesprochen, sobald man einen Fimmel für eine rosa Handtasche hat". Dabei sei eine rosa Handtasche aus ihrer Sicht ein soziales Experiment. "Geh mal mit dieser pinken Handtasche in die Kita, du musst gegen diese Tasche anarbeiten".

© SZ.de/vd

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