Quartalszahlen:Wo das iPhone noch wachsen kann

Wer im Jahr 2016 sein erstes Smartphone kauft, kommt allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Dort ist das verfügbare Einkommen deutlich geringer. Die Apple-Verantwortlichen betonten am Dienstag das ungehobene Potenzial der BRIC-Staaten. Die aufstrebende Mittelschicht in China, in jüngster Zeit aber vermehrt auch Indien steht im Fokus der Kalifornier. Dazu kommen als mögliche Neukunden wechselwillige Android-Nutzer, die bislang auf Premium-Smartphone von Samsung und Co. vertrauten.

Und da wären dann noch jene 60 Prozent iPhone-Besitzer, die nach Cooks Aussage ein Modell haben, das nicht zu den "6er-Generationen" gehört. Sie könnten theoretisch zu einem Android-Hersteller wechseln, zögern aber womöglich mit der Aufrüstung aus Kostengründen und/oder weil ihr aktuelles Modell den Dienst noch tut. Letzteres ist ein Zeichen dafür, wie erwachsen der Smartphone-Markt ist: Die funktionalen Unterschiede zwischen den Modell-Generationen (und auch den Marken) sind kleiner geworden, die Gattung hat bis auf Kleinigkeiten ihre vorläufige Form gefunden.

Auf die Upgrade-Frage hat Apple schon im September mit einem eigenen Programm reagiert: US-Kunden können für 32 bis 45 Dollar pro Monat de facto ihr iPhone leasen und erhalten im Gegenzug stets das neueste Modell am Erscheinungstag. Ähnliche Programme haben auch die US-Mobilfunkanbieter.

Regelmäßige Einnahmen statt einmaliger Verkäufe

Schätzungen zufolge haben bislang 250 000 Apple-Kunden auf das Angebot des Konzerns zurückgegriffen. Der Analyst Gene Münster schätzt, dass sich so in den nächsten vier Jahren die durchschnittliche iPhone-Nutzungsdauer von 22 auf 15 Monate reduzieren wird. Flächendeckend eingeführt würde dies die Verkaufszahlen stabilisieren, die Abhängigkeit von den Mobilfunk-Firmen verringern und den Markt für gebrauchte iPhones unter die Kontrolle von Apple bringen.

In diesen regelmäßigen Eingängen liegt die Verbindung zum verkündeten Services-Schwerpunkt: Dienste wie Apple Music konnten ohne große Anstrengungen zehn Millionen zahlender Nutzer erreichen. Mögliche Projekte wie ein Sender-Abo-Paket im Rahmen von Apple TV oder Cloud-Computing-Angebote für Firmen würden in eine ähnliche Richtung gehen - und damit dem von Microsoft, Adobe, Amazon oder Netflix geprägten Branchentrend folgen, Geschäftsmodelle auf Abo-Dienste umzustellen. Doch anders als beim iPhone gibt Apple in diesen Segmenten nicht den Ton an, sondern trifft überall auf gut aufgestellt Konkurrenz.

Rückkehr der Plattform?

Im Zuge seiner PR-Offensive verkündete Apple am Dienstag, dass inzwischen eine Milliarde regelmäßig "aktive" Geräte an die Dienste des Konzerns angeschlossen seien. Das dürften Schätzungen zufolge 500 bis 600 Millionen Nutzer sein (viele Apple-Kunden haben mehr als ein Gerät). Waren die Services spätestens seit dem iPod nur ein Hebel, die Hardware an den Kunden zu bringen, deutet sich eine Wende an: Die Apple-Geräte sollen stärker zu Plattformen werden, auf denen der Konzern seine Services verkauft.

Das würde nicht das Ende des iPhones als Kerngeschäft bedeuten, aber vielleicht mittelfristig eine geringere Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt. Zumindest, bis die nächste Hardware ein Massenpublikum erreicht (Apple Watch?) oder eine neue Sparte marktreif ist (Apple Car?). Doch das alleine wird nicht reichen. Die Firma gibt mit 3,17 Prozent des Umsatzes weniger als die Konkurrenz für Forschung und Entwicklung aus*, aber immerhin deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Mit global verteilten Barreserven von 216 Milliarden Dollar hat die Firma zudem reichlich Geld für Zukäufe.

Oder ist es am Ende doch das iPhone, das durch weitere Varianten neue Käuferschichten erschließt? Erst diese Woche tauchte das Gerücht auf, dass der Konzern vor dem anstehenden iPhone 7 im Herbst bereits im März ein Mittelklasse-Smartphone mit Namen iPhone 5se vorstellen könnte. "Wir designen nicht auf einen Preis hin", erklärte Cook auf billigere Apple-Smartphones angesprochen. Kurz: Das iPhone ist der Goldesel des Konzerns. Und soll trotz schwächeren Wachstums weiterhin der höchsten Preisklasse angehören.

*Korrektur: In einer vorigen Version des Artikels hatten wir den Anteil an R&D fälschlicherweise mit 4,75 Prozent beziffert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

So verkaufen sich iPad und Mac

16,1 Millionen iPads verkaufte Apple im vergangenen Quartal - das sind 25 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das iPad Pro, das zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kam, ist offensichtlich ein Nischenprodukt mit prächtiger Marge, keine Verkaufsrakete. Die Mac-Verkäufe gingen um knapp fünf Prozent zurück. Keine Zahlen lieferte Apple zur neuen Version von Apple TV oder der Watch. Dass das vergangene Quartal nach Angaben des Konzerns das beste der Apple-Uhr war, ist nicht verwunderlich: Uhren sind ein beliebtes Weihnachtsgeschenk und Einzelhändler wie Best Buy gaben in den USA Rabatte.

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