Prokon Geld oder Genosse

Wie es hinter der Tür weitergeht, ist noch unklar: Firma Prokon in Itzehoe.

(Foto: Ulrich Perrey/dpa)

Soll die Pleitefirma für eine halbe Milliarde Euro an EnBW verkauft werden oder in Eigenregie saniert werden? So oder so verlieren die Anleger die Hälfte ihres Vermögens.

Von Markus Balser, Berlin

Im Insolvenzverfahren der Windenergie-Firma Prokon rückt die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens näher. Bereits Anfang Juli sollen die Gläubiger bei einem Treffen in Hamburg darüber abstimmen, ob das Unternehmen aus Itzehoe an den drittgrößten deutschen Energieversorger EnBW verkauft wird oder ob es als eigenständige Firma in Form einer Genossenschaft weitermachen kann. Egal für welche Variante sich die Anleger entscheiden: "Die Insolvenzquote wird in jedem Fall zwischen 50 und 60 Prozent liegen", sagte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Damit wird endgültig klar, dass Anleger infolge der Prokon-Pleite etwa die Hälfte ihres Vermögens verlieren werden.

Penzlin präsentierte am Mittwoch erstmals seine Konzepte für die Zukunft für Prokon. Die erste Variante sieht den sofortigen Verkauf an den Energieversorger EnBW für gut 500 Millionen Euro vor. Das Geld soll bar an die Gläubiger und die Inhaber von Genussscheinen ausgezahlt werden. Variante zwei besteht aus einem Rettungsplan, der die Fortführung in Eigenregie vorsieht. Das Unternehmen soll demnach in eine Genossenschaft umgewandelt werden. In den nächsten Wochen müssten dafür allerdings mindestens 30 000 der 75 000 Prokon-Anleger auf eine Barauszahlung ihrer Ansprüche verzichten und bereit sein, diese in die Genossenschaft einzubringen. Sie würden dann eine 15 Jahre laufende und mit 3,5 Prozent verzinste Anleihe erhalten. Kommt das Genossenschaftsmodell zum Zug, würden alle anderen ausstiegswilligen Anleger und solche Investoren, die weniger als 1000 Euro in die Firma gesteckt haben, mit einer Barzahlung abgefunden.

Der Fall Prokon gehört zu den größten Pleiten auf dem Grauen Kapitalmarkt in Deutschland. Zehntausende Anleger hatten rund 1,4 Milliarden Euro in die Firma gesteckt. Dass sich auch Großkonzerne um eine Übernahme bemühen, gibt den Anlegern immerhin die Hoffnung, einen guten Teil ihres Vermögens zurückzubekommen. Für den Bieter EnBW ist die Firma attraktiv, weil der Konzern seinen Anteil beim grünen Strom deutlich ausbauen will und Prokon laut Insolvenzverwalter Penzlin über mehr als 50 Windparkprojekte in verschiedenen Phasen verfügt. EnBW-Chef Frank Mastiaux warb kurz nach Bekanntgabe der Pläne um Zustimmung für die EnBW-Offerte. So werde die Windenergie-Firma auf eine gesunde Kapitalbasis gestellt. Penzlin allerdings favorisiert keine der Lösungen. Beide eröffneten Prokon eine gute Zukunft, sagte er. Nun seien die Anleger am Zug.