Tarifwechsel beim Versicherer:Raus aus der Falle

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Kunden der privaten Krankenversicherer können den Tarif wechseln. Doch viele Versicherer machen ihnen das nicht einfach. Professionelle Berater helfen. Aber da gibt es schwarze Schafe.

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Privatversicherte fühlen sich manchmal in der Falle. Ihre Beiträge steigen regelmäßig. Beim Wechsel zu einem anderen Versicherer aber würden die angesparten Alterungsrückstellungen zum Teil verloren gehen. Doch es gibt einen Ausweg: den Tarifwechsel. PKV-Kunden haben das Recht, bei ihrem Versicherer in einen Tarif mit gleichartigem Schutz zu wechseln. Das ist allerdings nicht immer einfach.

Wenn Versicherte bei den Unternehmen um die Information bitten, in welche Tarife sie wechseln können, erhalten sie zum Teil Listen mit einer ganzen Palette von Vorschlägen, berichtet Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Es fehlt die Erläuterung, was es bedeutet, wenn ich von Tarif A nach Tarif B gehe", sagt er. "Dem Versicherten bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst hinzusetzen und sich gute Hilfe an die Seite zu holen."

"Oft nennen die Gesellschaften nicht die richtigen Tarife", bestätigt auch der Versicherungsmakler Javier Garcia, der sich auf den Tarifwechsel spezialisiert hat. Es würden pauschal Tarife empfohlen, die zum individuellen Kunden nicht passen, während die wirklich guten Alternativen fehlten. Ein Beispiel: Eine hohe Eigenbeteiligung senkt zwar die Prämie. Wird die vereinbarte Summe fällig, kann das allerdings die jährliche Beitragsersparnis auffressen.

Bei einem neuerlichen Wechsel wird eine Gesundheitsprüfung verlangt

"Das Wichtigste ist, dass man sich beim Leistungsniveau nicht zu sehr vom bisherigen Tarif entfernt", betont Garcia. Wenn der Kunde auf Leistungen verzichtet und später merkt, dass er sie doch benötigt, kann er zwar erneut wechseln. Das bedeutet aber eine erneute Gesundheitsprüfung, es können Risikozuschläge fällig werden. Auch eine Reduzierung der Eigenbeteiligung ist mit einer Gesundheitsprüfung verbunden.

Manche Versicherer bieten Wechselwilligen Tarife mit mehr Leistungen an - allerdings verbunden mit einer Gesundheitsprüfung und möglichen Risikozuschlägen, berichtet Garcia. Dabei können die Kunden auf die Mehrleistungen verzichten und so den Beitrag niedriger halten. "Das wissen viele nicht." Angestellten empfiehlt der Makler, den Zuschuss des Arbeitgebers im Blick zu haben. Er kann sich durch den Tarifwechsel reduzieren. Auch steuerliche Effekte können die vermeintliche Ersparnis schmälern.

Vorsicht vor Anbietern, die eine große Ersparnis versprechen

Garcia betont, dass der Tarifwechsel nicht immer sinnvoll ist. Etwa der Hälfte der Interessenten, die sich an ihn wenden, kann er helfen. Für realistisch hält er eine Ersparnis von 150 bis 250 Euro im Monat - "allerdings nicht, wenn ich 400 Euro zahle". Im Schnitt sparen seine Kunden bei einem Tarifwechsel ohne Leistungseinschränkungen 180 Euro. Garcia arbeitet mit einem erfolgsabhängigen Honorar. Er erhält die fünffache Beitragsersparnis.

Eine Reihe von Anbietern verlangt das Acht-, Zehn- oder Zwölffache. Hier warnt Opfermann zur Vorsicht, ihnen gehe es vor allem um den eigenen Verdienst. "Viele verleiten die Kunden dazu, Tarife mit geringem Leistungsumfang oder hohen Selbstbehalten zu nehmen." Misstrauisch werden sollte man vor allem dann, wenn sich Unternehmen unaufgefordert bei potenziellen Kunden melden und damit werben, dass sie sehr viel Geld sparen könnten.

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