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Prestigeprojekt gescheitert:Chef der Europäischen Ratingagentur wirft hin

Sie sollte die Macht der großen Drei brechen: Doch es wird keine Europäische Ratingagentur geben. Das Projekt schien Investoren nicht lukrativ genug.

Sie sollte transparenter sein als die US-Konkurrenz - doch bevor sie richtig an den Start gehen konnte, ist die Europäische Ratingagentur schon wieder Geschichte. Wie das Wall Street Journal und die Börsenzeitung berichten, wird die Europäische Ratingagentur zum Monatsende eingestellt. Alle Versuche, das benötigte Startkapital einzuwerben, seien gescheitert, heißt es zur Begründung. "Trotz Zusagen konnten wir die kritische Grenze für einen Start aber nicht erreichen", wird Gründungschef Markus Krall zitiert.

Ursprünglich hatte Krall vor, die Ratingagentur mithilfe einer unabhängigen Stiftung aufzubauen - getragen von Banken und anderen institutionellen Investoren. 300 Millionen Euro waren als Startkapital vorgesehen. Doch bereits im April vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Geldgeber für das Prestigeprojekt der Beraterfirma Roland Berger fehlen. Krall legte daraufhin seine Funktion als deren Senior Partner nieder und wurde Gründungschef der neuen Agentur. Ende 2012 verwarf er dann die Stiftungsidee und konzentrierte sich auf renditeorientierte Geldgeber.

Das von Krall erdachte Ratingkonzept hätte die Branche umgekrempelt, die vor allem durch die drei großen Player Standard & Poor's, Moody's und Fitch dominiert ist: Anstelle der Emittenten, die Wertpapiere ausgeben, sollten die Investoren für Ratings bezahlen. So hätten die Agenturen keinen Anreiz mehr gehabt, sich mit übertrieben guten Noten Aufträge zu sichern, die den Emittenten später auf die Füße fallen könnten.

Doch mit dem Scheitern der Europäischen Ratingagentur bleibt die Konkurrenz der US-Ratingagenturen ungebrochen. Was er in Zukunft machen werde, sei noch nicht entschieden, sagte Krall der Börsenzeitung. Zu Ratingthemen werde er sich wohl weiterhin äußern. Die Probleme, die mit der Europäischen Ratingagentur gelöst werden sollten, existierten leider nach wie vor. Hierzu zählten etwa der Mangel an Wettbewerb in der Branche und die systemischen Risiken, die daraus resultierten, dass sich viele Investoren nach dem Urteil weniger richteten, so Krall.