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Post: Sparen bei der Zustellung:Immer wieder montags

Viele Briefträger können sich möglicherweise bald auf ein langes Wochenende freuen - denn die Post prüft eine Reduzierung der Zustellung. Die Gewerkschaft Verdi ist entsetzt.

Caspar Dohmen

Im Herbst vergangenen Jahres waren die Fahrradtaschen der Briefträger noch prall gefüllt mit Briefen, Rechnungen und Werbung. Damals erreichten die Postboten nicht einmal alle Haushalte zwischen Flensburg und Garmisch pünktlich. An einigen Orten blieben Sendungen liegen, teils tagelang - zu viel Arbeit. So stellte Postchef Frank Appel kurzerhand tausend zusätzliche Briefträger für ein halbes Jahr ein.

Post, Briefträger, dpa

Briefträger in Düsseldorf: Die Post will bei der Zustellung sparen.

(Foto: Foto: dpa)

Mittlerweile hat sich die Situation durch die weltweite Wirtschaftsflaute geändert: Die Firmen verschicken weniger Briefe und Werbung. Deswegen müssen sich die tausend Briefträger jetzt voraussichtlich nach einem neuen Job umschauen, heißt es in Unternehmenskreisen. Eine Vertragsverlängerung sei nicht zu erwarten.

Post: Kein Kommentar

Und es gibt weitergehende Planungen: Appel überlegt offenbar, montags deutlich weniger Briefträger einzusetzen. Geplant sei ein Testlauf in den Monaten Juli und August, heißt es. An zunächst acht Montagen solle Post liegen bleiben, die keine hohe Priorität habe. Dies könnten beispielsweise Sendungen von Unternehmen sein, mit denen die Post eine längere Beförderungsdauer vertraglich vereinbart habe.

Angeblich soll auf diese Weise jeder zweite Postbote am Montag eingespart werden - damit könnte die Zahl der von der Post insgesamt benötigten Briefträger weiter reduziert werden. Schon in den vergangenen Jahren hat die Post die Zahl ihrer Briefträger gesenkt und die Zustellbezirke ausgebaut.

Ein Post-Sprecher sagte lediglich, man wolle keine einzelnen Maßnahmen kommentieren. Sollte die Post ihren Plan umsetzen und gleichzeitig flächendeckend Briefe verteilen, müssten die Zustellbezirke der einzelnen Briefträger am Montag deutlich vergrößert werden. Bei der Gewerkschaft Verdi begegnet man dem Vorhaben misstrauisch und vermutet einen erneuten Versuch der Post, von einer Sechs- auf eine Fünftagewoche umzustellen. "Wir wehren uns dagegen und appellieren an die Politik, dies zu verhindern", sagte ein Verdi-Sprecher.

Briefgeschäft wirft weniger ab

Wiederholt hatte die Post in den vergangenen Jahren mit dem Gedanken gespielt, die Briefe nur noch an fünf Tagen zuzustellen. Stets gab es einen großen Aufschrei. Noch wäre dies auch schwierig. Eine Verordnung schreibt vor, dass die Briefe an sechs Tagen zugestellt werden müssen, wenn ein Unternehmen die lukrativen Privilegien eines Universaldienstleisters wie Steuererleichterungen beanspruchen will. Das Klima zwischen Post und Gewerkschaft ist gespannt, seitdem Appel längere Arbeitszeiten für die Briefträger gefordert hat.

Das Briefgeschäft ist in den ersten Monaten des Jahres ohnehin zurückgegangen. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres sank das Briefvolumen um fünf Prozent. Nicht so hart traf es den klassischen Standardbrief für 55 Cent Porto, an dem die Post am meisten verdient. Bei den adressierten Werbesendungen sank das Sendungsvolumen um sieben Prozent. Darauf hatte Vorstandschef Appel angekündigt, er wolle den Briefbereich wirtschaftlicher führen. Tatsächlich bietet sich der Montag zum Sparen an: Das Postaufkommen ist zum Wochenstart deutlich geringer als an den folgenden Wochentagen. Dies liegt daran, dass die Unternehmen ihre Briefe und Rechnungen gewöhnlich nicht am Wochenende schicken.

Die Post muss neben dem konjunkturellen Einbruch beim Briefgeschäft auch damit fertig werden, dass Bürger und Firmen immer häufiger E-Mails verschicken. Weitere Gefahr droht dadurch, dass auch Behörden künftig einen Großteil ihrer Post elektronisch versenden wollen. Derzeit läuft ein Pilotprojekt in Friedrichshafen. Setzte sich dies durch, könnte das Briefgeschäft in Deutschland in den kommenden zwei Jahren um weitere 15 Prozent schrumpfen, so Experten.

© SZ vom 09.06.2009/tob
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