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Plastikmüll:Wer auf den Rest der Welt wartet, fängt nie mit dem Umweltschutz an

Die EU verbietet Wegwerfprodukte aus Plastik. Es ist ein sehr kleiner Schritt, doch er ist besser als Stillstand. Die europäischen Staaten müssen nun als plastische Beispiele vorangehen.

Falls es einen Schöpfergott geben sollte, könnte er beim Jüngsten Gericht gleich die ganze Menschheit anklagen, als verbrecherische Vereinigung. Zu ihren Todsünden gehören nicht nur die Untaten, die Menschen einander antun, sondern auch die Frevel an der Natur. Klimaerhitzung, Artenvernichtung, - und besonders auch die Verdreckung der Ozeane.

Jahr für Jahr gelangen Millionen Tonnen Plastik in die See: Verpackungen, Wegwerfprodukte, Rückstände aus Kosmetika, herausgewaschene Teilchen von Kleidungsstücken aus Kunststoff. Das langsam in immer kleinere Partikel zerfallende Plastik überspült ganze Inseln, es überzieht die Meeresböden mit Teppichen aus Abfall und bildet in den Weiten der Ozeane gigantische Müllstrudel, die um ein Vielfaches größer als Deutschland sein können.

Immerhin: Jetzt reagiert die EU. Sie verbietet von 2021 an etliche Artikel aus Einwegplastik wie Wattestäbchen, Trinkhalme oder Wegwerfgeschirr, zu denen es umweltfreundlichere Alternativen gibt. Damit spare die Allgemeinheit Milliarden Euro an Folgekosten, argumentiert Brüssel. Vor allem aber gelange so weniger Plastik über die Flüsse ins Meer.

Schon gut, aber - möchte man einwenden. Warum werden nicht auch Einwegflaschen aus Kunststoff verboten? Warum nicht auch die vielen unnötigen Plastikverpackungen? Und was ist mit Staaten wie den Philippinen oder Indonesien, aus denen extrem viel Plastikmüll im Meer landet?

Zugegeben, das neue Gesetz aus Europa ist nur ein kleiner Schritt zur Erhaltung der Weltmeere. Aber besser ein kleiner Schritt vorwärts als Stillstand oder Rückschritt. Wer darauf wartet, dass die ganze Welt mitmacht, braucht niemals anzufangen mit Umwelt- und Klimaschutz. Und vergleichsweise reiche Staaten wie die europäischen können es sich leisten, als gute Beispiele voranzugehen.

Das Verbot von Tellern, Besteck oder Trinkhalmen aus Kunststoff wird jeder im Alltag zu spüren bekommen. So kann es die Sensibilität für Umweltfragen steigern. Und es wird die Industrie anspornen, weniger umweltschädliche Materialien herzustellen. Ideen gibt es genug. Ein bretonisches Unternehmen ersetzt zum Beispiel Plastik durch einen Stoff aus Algen.

Vor allem aber zeigt der Vorstoß der EU, dass Umweltzerstörung nicht unvermeidlich ist. Andere Staaten werden folgen müssen. Andernfalls braucht die Menschheit nicht auf das Jüngste Gericht zu warten. Sie bestraft sich vorher selbst - durch Mikroplastik im Trinkwasser und in der Nahrung, etwa in Fischen und Meeresfrüchten, und durch die Zerstörung der Ozeane, aus denen doch das Leben kommt.

© SZ.de/kjan/jsa
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Das EU-weite Verbot von bestimmten Kunststoffprodukten steht. Betroffen sind Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfartikel.

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