Peking China setzt Schweizer Managerin fest

China hat mit die strengsten Kapitalausfuhrkontrollen der Welt. Laut Gesetz darf jeder Bürger jährlich nur umgerechnet 50 000 Dollar außer Landes bringen.

(Foto: dpa)
  • Eine Angestellte der Schweizer Großbank UBS ist am Flughafen in Peking festgesetzt worden.
  • Fest steht bislang nur: Sie darf das Land nicht verlassen, ihr Pass wurde eingezogen. In Haft befindet sie sich allerdings nicht.
  • Vorsorglich hat die UBS einen Reisestopp für alle ihre Mitarbeiter nach China verhängt. Und auch die Konkurrenz hat bereits nachgezogen.
Von Christoph Giesen, Peking, und Charlotte Theile, Zürich

- Eine Nachricht aus dem fernen China hat über das Wochenende am Finanzplatz Zürich großes Aufsehen erregt: Eine Angestellte der Schweizer Großbank UBS ist am Flughafen in Peking festgesetzt worden. Was die Managerin, die sonst in Singapur tätig ist, nach China geführt hat, ist unklar. Fest steht bislang nur: Sie darf das Land nicht verlassen, ihr Pass wurde eingezogen. In Haft befindet sie sich allerdings nicht. Anfang der Woche soll sie offenbar befragt werden. Wozu? Wie lange? Von wem und vor allem warum? Bei der UBS heißt es dazu offiziell nur immer wieder: "Kein Kommentar."

Dass es sich jedoch nicht bloß um einen bedauerlichen Einzelfall oder ein individuelles Fehlverhalten der Frau handelt, darauf deutet die prompte und drastische Reaktion der Bank hin. Vorsorglich hat die UBS einen Reisestopp für alle ihre Mitarbeiter nach China verhängt. Und auch die Konkurrenz hat bereits nachgezogen: Die ebenfalls in Zürich ansässige Privatbank Julius Bär hat intern Dienstreisen nach China auf unbestimmte Zeit verschoben, besonders das milliardenschwere, heiß umkämpfte Geschäft der Vermögensverwalter ist betroffen.

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Die UBS unterhält zwar Filialen in Shanghai und Peking, das eigentliche Geschäft in China aber dürfte eben jene Vermögensverwaltung sein: offshore, außerhalb Chinas also, betreut von Fachleuten, die nicht in der Volksrepublik ansässig sind. Genau das aber gefällt der Regierung in Peking nicht. Die wahrscheinlichste Erklärung für das Festsetzen der Managerin aus Singapur ist deshalb: Ein Warnschuss der Behörden in China, ein Signal an die großen Banken und Vermögensverwalter, die Chinesen nicht dazu zu animieren, ihr Geld im Ausland zu investieren.

Die Volksrepublik hat mit die strengsten Kapitalausfuhrkontrollen der Welt. Laut Gesetz darf jeder Bürger jährlich nur umgerechnet 50 000 Dollar außer Landes bringen, wer mehr transferieren möchte, muss eine Genehmigung einholen, erteilt wird diese allerdings nur noch selten. Die Furcht im Apparat ist groß, dass hohe Summen das Land verlassen und der Wirtschaft die Liquidität entzogen wird. Chinesen sollen in China investieren, nirgendwo sonst, das ist Pekings Vorgabe.

Die Anlagemöglichkeiten in der Heimat aber sind beschränkt. Der Aktienmarkt ist seit Jahresanfang um 30 Prozent eingebrochen; der Immobilienmarkt ist überhitzt. In Shanghai und Peking zahlt man Preise wie in New York und London - mit einem Unterschied: China ist auf dem Papier sozialistisch, man kann gar keine Wohnung besitzen, sondern lediglich für 70 Jahre vom Staat pachten. Vielen reichen Chinesen kommen da die Angebote der Schweizer Geldhäuser sehr gelegen. Sie werben mit steuerkonformen internationalen Anlagemöglichkeiten in einem stabilen Land mit krisensicherer Währung.

Etliche Chinesen haben in den vergangenen Jahren überall auf der Welt Unternehmen gegründet und betreiben Handel

Was die Banken offerieren, ist nicht illegal, Chinesen dürfen Geld, das bereits im Ausland ist, anlegen. Problematisch ist aus Pekinger Sicht, wie das Geld das Land verlässt. Seit 2012 gibt es ein Schlupfloch für Reiche: Um den Bürokratieaufwand zu reduzieren, verzichten die Behörden seit sechs Jahren darauf, jede einzelne Importrechnung freizugeben.

Die Folge: Etliche Chinesen haben in den vergangenen Jahren überall auf der Welt Unternehmen gegründet und betreiben Handel. Eine kleine Firma bekommt dann zum Beispiel statt der georderten Waren im Gegenwert von zwei Millionen Dollar nur Güter für eine Million geliefert, der Rest des Geldes wird auf ein Konto im Ausland eingezahlt. Das aufzuspüren ist unmöglich, man müsste wohl jeden Container öffnen - in sieben der zehn größten Häfen der Welt. Der Plan könnte deshalb nun sein, die Banken davon abzuhalten, das Geld überhaupt anzulegen.

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