Paketdienst UPS:Wachstumsmarkt Deutschland

Nun setzt UPS erneut zum Angriff auf die Deutsche Post an. In den vergangenen Monaten hat Kuehn, der unter anderem die Eliteuniversität Yale besuchte, eine neue Strategie entwickelt: "In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir in Europa eine Milliarde Dollar investieren." Ein Großteil davon fließe nach Deutschland, "einen unserer stärksten Wachstumsmärkte weltweit", wie Kuehn betont. Geplant sei, die Logistik-Kapazitäten auszubauen, also etwa in neue Verteilzentren zu investieren. Am Flughafen Köln/Bonn unterhält UPS sein wichtigstes Drehkreuz für Lieferungen in Europa. Schon 2013 hatte UPS dort 200 Millionen Dollar in den Ausbau und in eine neue Frachthalle investiert.

Teil der neuen Konzernstrategie, die im November vorgestellt werden soll, sind aber auch Übernahmen. "Wir halten vor allem Ausschau nach Zukäufen im Bereich Healthcare", wird Kuehn konkret. Der Transport von Medikamenten sei eine besondere logistische Herausforderung, da sie empfindlich gegen Temperaturschwankungen seien. Auch die Pflege älterer Menschen zu Hause führe dazu, dass mehr Medizin hin- und hertransportiert werden müsse.

In Europa hatte UPS bei der Expansion zuletzt einen schweren Rückschlag erlitten. Die Amerikaner hatten 5,2 Milliarden Euro für die Übernahme des niederländischen Konkurrenten TNT Express geboten. Damit wären die Amerikaner in Europa zur Nummer eins aufgestiegen. Nach monatelanger Hängepartie untersagten jedoch die EU-Wettbewerbshüter den Deal. "Weil wir uns sehr intensiv mit der Übernahme beschäftigt haben, sind wir in Europa vorübergehend strategisch ins Hintertreffen geraten", räumt Kuehn nun ein. Jetzt verfolge UPS daher den Plan B: Wachstum durch kleinere Übernahmen und aus eigener Kraft.

Den Privatkunden in Deutschland will das US-Unternehmen schon bald ein ganz neues Angebot machen. Ein Angebot, das in den USA unter dem Namen "UPS My Choice" zwei Jahre nach Einführung bereits neun Millionen Menschen nutzen. "Die Kunden können dabei den Weg ihres Pakets nicht nur im Internet verfolgen, sondern selbst eingreifen und den Zustellort oder die Zustellzeit ändern." Also etwa bestimmen, dass das Päckchen ins Büro geliefert wird statt nach Hause. Dazu müssen sich die UPS-Kunden lediglich vorher im Internet registrieren lassen.

Als Alternative würde sich ein Paketkasten anbieten. Eine solche Box, die sich Kunden in den Vorgarten stellen können, hat die Deutsche Post seit Kurzem im Angebot. Die Idee: Leute, die im Internet bestellen, müssen nicht zu Hause bleiben oder Nachbarn verständigen, wenn der Paketbote kommt. Wie beim Briefkasten entnehmen sie abends ihr Päckchen einfach der Box. Doch die Deutsche Post will bisher nur ihren eigenen Boten Zugang zum Kasten verschaffen - aus Datenschutzgründen, wie die Bonner argumentieren.

Die Paketboxen seien ein Beispiel dafür, wie die Deutsche Post ihre Marktmacht ausnutze

Kuehn ist über diesen Alleingang verärgert: "Die Paketboxen in Deutschland sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Post ihre Monopolstellung und ihre dominante Marktposition ausnutzt." Besser für alle, vor allem für die Kunden, wäre aus seiner Sicht eine Box, zu der alle Paketdienste Zugang haben. Er hegt sogar Zweifel, ob das Vorgehen der Post überhaupt rechtens ist: "Ob die Paketbox mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist, darüber müssen andere entscheiden." Sollten die Bonner nicht einlenken, werde UPS voraussichtlich zusammen mit Wettbewerbern eine alternative Paketbox anbieten, die dann allen offenstehen soll - auch der Deutschen Post.

Die Vorbereitungen der Konkurrenten laufen schon auf Hochtouren. Wie aus Branchenkreisen verlautete, arbeiten Wettbewerber wie GLS, DPD, Hermes und UPS in Deutschland schon konkret an einem gemeinsamen Paketkasten. Damit wollen sie wiederum auch dem Onlinehändler Amazon zuvorkommen.

Nicht, dass Jeff Bezos eines Tages noch selbst auf die Idee kommt, den Kunden einen Amazon-Paketkasten anzubieten.

© SZ vom 02.07.2014/jasch
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