Ölpreis:Billiger durch den Mega-Stau

Wider Image: Iowa - America's Heartland

Autowerbung aus der Luft, schon von weitem zu erkennen: Ein Händler in Iowa.

(Foto: Jim Young/Reuters)

Amerikaner fahren mehr Auto, weil Sprit billig ist. Doch die Sache hat einen Haken.

Von Claus Hulverscheidt

Die bunte Blechschlange , die am vergangenen Freitag von New York aus über die Autobahn 80 ins hügelig-schöne Pennsylvania kroch, war sicher 20 Kilometer lang, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Stimmung in vielen der SUVs, Trucks und Großraumlimousinen schon zu Beginn des langen Wochenendes gefährlich schnell in Richtung Nullpunkt strebte.

Dabei gab es rechtzeitig zum Labor Day einen Lichtblick, der im autovernarrten Amerika für gewöhnlich noch mehr als Klimaaufheller taugt als andernorts: Mit durchschnittlich 2,42 Dollar je Gallone ist Normalbenzin derzeit so billig wie seit elf Jahren nicht mehr. Auf Deutschland übertragen entspricht das einem Literpreis von gerade einmal gut 57 Cent. Noch vor einem Jahr hatten die US-Bürger einen Dollar mehr zahlen müssen.

Wie gewaltig der Unterschied auch gesamtwirtschaftlich betrachtet ist, zeigt eine Schätzung des Öl-Informationsdienstes OPIS für die New York Times. Danach haben die Amerikaner von Donnerstagabend bis zum Tag der Arbeit am Montag 3,9 Milliarden Dollar für Benzin und Diesel ausgegeben, rund 1,6 Milliarden weniger als am gleichen Wochenende des Vorjahres - und das, obwohl die niedrigen Preise viele Autobesitzer nunmehr schon seit Monaten dazu verleiten, noch mehr zu fahren als ohnehin schon.

Laut Autobahnverwaltung haben die US-Bürger in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1,54 Billionen Meilen (fast 2,5 Billionen Kilometer) auf den Straßen des Landes zurückgelegt, 40 Milliarden mehr als zwischen Januar und Juni 2007, dem bisherigen Rekordzeitraum.

Allerdings ist der niedrige Spritpreis für die Amerikaner eine zwiespältige Angelegenheit, denn er ist ja nicht der Güte der Mineralölkonzerne, sondern der Wirtschaftsschwäche in Teilen der Welt geschuldet. Noch machen deren Ausläufer einen Bogen um die USA, doch nicht auszuschließen, dass sich der Stimmungsaufheller des diesjährigen Labor Days 2016 noch als Stimmungskiller erweisen wird.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB