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Obamas Wirtschaftsberaterin:Heim nach Kalifornien

Barack Obamas Wirtschaftsteam fällt auseinander: Innerhalb von wenigen Wochen verliert der US-Präsident mit Christina Romer das zweite wichtige Mitglied. Die Konjunkturexpertin will wieder einfache Professorin sein.

Christina Romer hat sich aufgerieben. Keine Kamera, keinen Talkshow-Auftritt hat sie gescheut, um ihre Kunde vom kommenden Aufschwung unters Volk zu bringen. Auch am Freitag war die Wirtschaftsberaterin von Barack Obama zur Stelle und gab schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt einen halbwegs guten Dreh. "Wir haben große Fortschritte gemacht", sagte sie. "Wir dürfen den monatlichen Statistiken nicht allzu viel Bedeutung zumessen." Es wird eine ihrer letzten Erklärungen sein.

Christina Romer

Floh sie vor einem Rüpel: Barack Obamas Wirtschaftsberaterin Christina Romer soll mehrfach mit Larry Summers zusammengestoßen sein, dem Sonderberater des US-Präsidenten.

(Foto: APN)

Nach nur eineinhalb Jahren im Amt tritt Christina Romer zurück. Am 3. September wird sie ihr Büro im Weißen Haus räumen und zurück nach Kalifornien ziehen, ließ Romer am Donnerstag verbreiten.

Es sei "die größte Ehre des Lebens" gewesen, dem Präsidenten zu dienen. Die 51-Jährige ist bereits das zweite Mitglied des ökonomischen Beraterstabs des Präsidenten, das sich innerhalb weniger Wochen verabschiedet.

Offizielle ...

Schon im Juli hatte der Budget-Direktor Peter Orszag seinen Posten geräumt. Kurz vor Beginn des Wahlkampfs, bei dem Obamas Demokraten unter ungünstigen Umständen ihre Mehrheit im Kongress verteidigen müssen, wird es einsam um den Präsidenten.

Romer tauscht den Medienrummel Washingtons gegen die Abgeschiedenheit der elitären University of California in Berkeley. Sie will wieder als Professorin arbeiten, auf einer Stelle, die sie schon vor ihrer Berufung ins Weiße Haus innehatte.

So könne sie sich besser um ihren Sohn kümmern, der kurz vor dem Wechsel auf die High School steht, sagt Romer. Persönliche Rücktrittsgründe also, jedenfalls ist das die offizielle Version.

... und inoffizielle Gründe

Längst schwirren Gerüchte umher, wonach Romer auf einen anderen Posten schiele. Die Notenbank in San Fransisco wird wohl schon bald einen neuen Chef brauchen. Die Amtsinhaberin Janet Yellen soll, wenn der Senat Obamas Wunsch befolgt, zum Vizepräsidenten der Fed aufsteigen und nach Washington wechseln.

Auch eine andere Version der unausgesprochenen Rücktrittsgründe ist zu hören: Romer soll die Flucht vor einem Rüpel angetreten haben. Es ist kein Geheimnis, dass zum Wirtschaftsteam im Weißen Haus auch ein schwieriger Charakter gehört: Larry Summers, Finanzminister unter Bill Clinton und Sonderberater Obamas, berüchtigt für seine aufbrausende Art. Auch Romer soll mehrfach mit Summers zusammengestoßen sein.

Bei ihren internen Konflikten wird es der Konjunkturexpertin nicht geholfen haben, dass sie mit ihren Prognosen zum Teil kräftig daneben lag. Obamas 790 Milliarden Dollar teueres Konjunkturprogramm werde verhindern, dass die Arbeitslosenquote auf mehr als acht Prozent steige, hatte Romer kurz nach ihrem Amtsantritt prognostiziert. 9,5 Prozent sind es inzwischen, und Besserung ist nicht in Sicht.