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Neues i3-Modell:Die Branche hofft auf das Elektroauto von BMW

BMW's first all-electric car, i3,  is unveiled at a ceremony in Beijing

Der BMW i3 wird in Peking enthüllt

(Foto: REUTERS)

Auf drei Kontinenten gleichzeitig stellt BMW sein Elektroauto i3 vor. Für Vertriebschef Ian Robertson dürfte es einer der wichtigsten Momente seines Berufslebens sein. Denn das neue Auto könnte die gesamte Branche für immer verändern.

Es wird wahrscheinlich einer der wichtigsten Momente in seinem Leben sein, der Auftritt an diesem Montag. BMW-Chef Norbert Reithofer wird in New York auf der Bühne stehen, der Finanzvorstand des Autobauers in Peking. Und er, Ian Robertson, in London. Drei Orte, drei Kontinente, die Topmanager des Autokonzerns - alles nur, um ein Elektroauto vorzustellen. Und der Vertriebsvorstand Robertson wird noch mal die Geschichte erzählen, die er schon so oft erzählt hat. Die Geschichte einer großen Revolution im Autobau, einer ganzheitlichen Autowelt aus Carbon und Batterie, wie ihn noch kein Hersteller zuvor so hinbekommen hat. Und natürlich auch noch die Geschichte, an die momentan kaum einer glauben will: dass das neue Elektroauto i3, das im November auf den Markt kommen soll, von Anfang an profitabel sein wird. Weil es profitabel sein muss.

Erst vor zwei Wochen stand der 1958 geborene Brite, der seit 2008 im BMW-Vorstand sitzt und immer noch am liebsten und meistens Englisch spricht, am Rande einer Auto-Teststrecke bei München und erklärte: "Wir wollen im Markt für Elektroautos eine signifikante Rolle spielen." Mitgebracht hatte der Brite einen anderen Briten. Einen jungen Mann mit Poloshirt, den er als "Product Genius" vorstellte und der künftige Elektroauto-Kunden betreuen soll. Hier wird aus dem Kundenberater ein "Product Genius", aus dem Verkäufer ein "BMW i Agent" und aus Niederlassungen ein "Multivertriebskanalmodell" mit Internetplattform und einem multimedialen "Customer Interaction Center". Robertson hat für all das einen Namen: BMW sei so etwas wie ein "game changer" - ein Spiel-Veränderer.

Autohändler wollen auch etwas vom i3 haben

Die Botschaft des BMW-Vorstands ist klar: Die neue BMW-Welt besteht nicht nur aus Elektroautos aus leichtem Carbon. Sie besteht aus vielen seltsamen Begriffen, die vor allem eines bedeuten: Bei BMW werden nicht nur die Autos verändert. Sondern auch der Rest gleich mit. Denn wenn es so ist, wie viele Händler befürchten - dass BMW davor steht, seine Niederlassungen kräftig zusammenzustreichen -, dann ist das auch ein Thema für Ian Robertson. Den Vertriebs- und Marketing-Mann im Visier der BMW-Verkäufer, den Mann, der mit dafür verantwortlich ist, dass der alte Münchner Motorenbauer beim Verkauf stärker aufs Internet setzt als auf Anzug tragende Autoverkäufer in den Ausfallstraßen der Großstädte.

Er lehne "direkte Verkaufskanäle" ab, sagte Werner Entenmann, der Präsident der deutschen BMW-Händler, in diesen Tagen. Das ging an die Adresse des Vorstands in München. Und bedeutet: Die Zeiten sind alles andere als gut. Und wenn ihr schon auf ein neues und interessantes Auto setzt, dann hätten wir gerne auch etwas davon. Zum Beispiel, indem wir es verkaufen.

Die Branche blickt auf BMW

Dass Robertson deshalb nun auf seine neuen Vertriebsstrategien verzichtet, davon braucht man kaum auszugehen. Der Mann ist, anders als die meisten seiner Kollegen, weder Kaufmann noch Ingenieur. Er hat Meereswissenschaften in Cardiff studiert, das bringt eine gewisse Sensibilität für Strömungen mit sich. Und eine der großen Strömungen dieser Zeit geht vor allem in eine Richtung: ins Internet. Dort sind die jungen Käufer. Die finanziell potenten Käufer. Die technologisch interessierten Käufer. Also die Käufer, die für die neuen Elektroautos infrage kommen.

Deshalb schaut die gesamte Branche gerade in Richtung BMW. Denn die Automanager interessieren sich nicht nur dafür, ob der i3 am Markt funktioniert. Sie beobachten auch genau, wie Robertson das neue Elektro-Vehikel vertreibt - und ob die Kunden einsteigen bei dem neuen Konzept. Ob der Vertriebsmann von der Insel wirklich das gesamte Spiel verändert. Oder nur den Konzern.

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