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Neuer Supermarkt in Berlin:Kein reiner Biomarkt

Dank des Stipendiums sitzen die Unternehmerinnen jetzt in einem Gründerzentrum in Berlin, dem Social Impact Lab. Ein paar hundert Quadratmeter Altbau, große Fensterfronten, eine Art Großraum-WG für Kleinunternehmen, die soziale und gesellschaftliche Probleme angehen wollen. An einem der Computer klebt eine Postkarte mit dem Spruch "Get shit done!", zu deutsch: "Erledige den Mist!" - und genau deswegen ist an diesem Tag Nicole Straub zu Besuch.

Straub arbeitet bei SAP, seit zehn Jahren betreut sie Großkunden bei Projekten. Straub ist die Mentorin des "Original Unverpackt"-Teams, deren 60-seitiger Geschäftsbericht liegt vor ihr, gut durchgearbeitet und mit Notizen versehen. Sie stellt Fragen, hört zu, gibt Tipps - aber zwischendurch fallen auch Sätze, die wirken wie ein Hammer: "Vielleicht ist euer Part ja damit erledigt, dass ihr die Idee an den Markt gebracht habt - und jemand anderes sie umsetzt." Wenn Straub redet, wird klar, wie weit der Weg ist, der zwischen Theorie und Praxis liegt.

Auch wenn die SAP-Mentorin nur provozieren will - sie selbst findet die Idee großartig, wie sie sagt. Ihre Botschaft ist klar: Gedanken müssen gedacht werden, bevor man sie ablehnen kann. Wie bereit sind die drei? Das ist die eigentliche Frage.

"Wir recherchieren seit mehr als einem Jahr - nonstop", sagt Glimbovski. Das Team fährt alle Wege ab, die am Ende in ihren Supermarkt führen könnten. Sie schauen sich Immobilien an, verhandeln mit Lieferanten, testen Backmischungen und Behälter, die Kunden später kaufen oder sich leihen können, um die Ware nach Hause zu transportieren. Da gibt es auch immer wieder Enttäuschungen zu verkraften, und manchmal sind sie so erschöpft, dass sie vor dem Computer einnicken. Zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, sagt Glimbovski. "Man kann nur schlecht abschalten, die Gedanken rattern einfach weiter."

Wann genau sie starten können, wissen sie noch nicht. Sicher ist nur, dass es kein reiner Bio-Markt werden soll: "Uns ist wichtiger, dass die Produkte aus der Region kommen", sagt Wolf. "Wenn die Gurke zwar bio ist, aber aus Israel kommt, dann hat das ja auch keinen Sinn." Die Gründerinnen haben inzwischen Startkapital gesammelt, auch von Privatinvestoren. Ein Betrag im sechsstelligen Bereich, genug, um einen Laden samt Einrichtung zu finanzieren. Auch die erste Warenlieferung wäre gedeckt, sagt Glimbovski.

Natürlich gibt es schon Vorläufer für "Original unverpackt" - aber es sind noch wenige. Einer davon heißt "Unpackaged" und ist ansässig in London. Das Team fuhr hin, wollte ein Gespräch, aber die Chefin des Ladens hatte keine Zeit: zu beschäftigt, die Nachfrage war zu hoch. Für die Frauen hatte sich der Besuch trotzdem gelohnt, denn vor Ort konnten sie sehen: Der Laden läuft.

Mittlerweile hat das Vorbild allerdings geschlossen*. Die Macher hatten zum Laden noch eine Bar und ein Restaurant eröffnet - das Konzept rechnete sich so nicht.

*Anmerkung der Redaktion: Letzer Absatz am 23. April um 10.13 Uhr ergänzt.

© SZ vom 23.04.2014/schä
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