bedeckt München 13°

Naturkatastrophen:Teuerstes Jahr für Versicherer

Die extreme Trockenheit des vergangenen Jahres kostet die Versicherungswirtschaft viel Geld. "2012 war für die Versicherer das teuerste Jahr seit es Ernteversicherungen gibt", sagt Murr. Allein in den USA schätzt die Munich Re den Schaden auf 20 Milliarden Dollar. Immerhin drei Viertel des Ernteschadens waren nach seinen Worten durch Versicherungen abgedeckt. Im Dürre-Jahr 1988 hatte das noch anders ausgesehen.

Damals waren 30 US-Bundesstaaten betroffen. Der Schaden lag bei 15 Milliarden Dollar. Etwa 30 Prozent der Farmer verloren ihre Existenz, weil sie nicht abgesichert waren. Eine Folge des Desasters war, dass in den USA 1994 eine umfassende Ernteversicherung eingeführt wurde, die von staatlicher Seite und Versicherern gemeinsam getragen wird. "Das hat sich 2012 für viele US-Farmer ausgezahlt. Weit mehr als 80 Prozent der Anbauflächen waren gegen die Ausfälle versichert." Es habe deshalb kaum Pleiten gegeben.

Europäische Landwirte sind schlechter abgesichert

Extreme Trockenheit macht auch den Landwirten in Europa immer stärker zu schaffen. Betroffen sind vor allem die Länder im Süden wie Spanien, Portugal und Italien. Die letzte große Dürre 2003 verursachte immerhin einen Schaden von elf Milliarden Euro. Die meisten Erzeuger musste dabei einen großen Teil der Verluste selbst tragen. Halbstaatliche Ernteversicherungen wie in den USA gibt es für die Erzeuger in der Europäischen Union bisher nicht. "In der EU sind nur wenige Landwirte effektiv abgesichert. In Deutschland gibt es nur eine Versicherung gegen Hagel", so Murr.

Viele Bauern verlassen sich bislang auf die Direktleistungen der EU, die etwa die Hälfte ihrer Einkommen ausmachen, ganz egal wie viel auf den Feldern wächst. Für die Versicherungsbranche sind Ernteausfallpolicen ein Wachstumsfeld. "In so einem Versicherungssystem könnten bis 2020 ein Beitragsvolumen von 1,5 bis zwei Milliarden Euro in der EU generiert werden", sagt Murr.

Ausgerechnet die Bauernverbände haben sich in der Vergangenheit gegen einen umfassenden Versicherungsschutz gesträubt. Denn Ernteausfallversicherung haben einen großen Haken. Ohne staatliche Hilfe funktionieren sie nicht. Die Schäden können so groß sein, dass der Risikoschutz für einen Versicherer allein nicht finanzierbar wäre.

Seit Jahren ringt die Versicherungswirtschaft mit der EU um ein Versicherungsmodell. Laut Murr ist inzwischen einen Einigung in Sicht. Bis zu 65 Prozent der Prämien könnten sich die Bauern künftig über Beihilfen von der EU finanzieren lassen. Die ersten Policen könnten dann frühstens 2015 verfügbar sein. Den rechtlichen Rahmen dafür gibt die EU vor und die einzelnen Staaten können dann ein Versicherungssystem als sogenanntes Privat-Public-Partnership mit der Versicherungswirtschaft ausarbeiten.

© SZ vom 23.01.2013/infu

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite