Nahaufnahme Der Datenhüter

„Der Nutzen, den ich davon habe, dass ich über Facebook ein großes Netzwerk von Freunden habe, ist größer als der potenziellen Nachteil für meine Privatsphäre.“ Liad Agmon.

(Foto: Itay Benit/PR)

Liad Agmon war für den Geheimdienst tätig. Er weiß, dass Daten missbraucht werden. Sein Start-up verspricht Sicherheit, so gut es eben geht.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Es gibt wohl niemanden in Israel, der sich so gut mit der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung auskennt wie Liad Agmon. Die von ihm und Omri Mendellevich 2011 gegründete Firma Dynamic Yield hat mehr als vier Millionen Euro investiert und ihr Datenzentrum im Mai nach Frankfurt verlegt, um sicherzustellen, dass die Richtlinien eingehalten werden. "Für ein Start-up ist diese Investition keine Kleinigkeit. Es stellte sich die Frage: Machen wir es, oder geben wir Europa auf?"

Aber dafür ist Europa für Dynamic Yield zu wichtig mit Kunden wie Mr. Spex, Sephora oder Hallmark-Channel. Immerhin rund ein Viertel des Kapitals, das in drei Runden bisher 45,3 Millionen Dollar eingebracht hat, kommt von Investoren aus Deutschland: Pro Sieben Sat 1, Oliver Samwars Global Founders Capital und Deutsche Telekom Capital Partners. Das Angebot von Dynamic Yield richtet sich an Verleger, Werbetreibende und Händler: Die Software unterstütze dabei, Webseiten auf den jeweiligen Nutzer zuzuschneiden und für diesen relevante Inhalte auszuspielen. Die Erträge sollen durch diese Personalisierungen um bis zu 15 Prozent steigen.

Das Unternehmen haben Agmon und Mendellevich "auf typisch israelische Art" gegründet: "Wir haben uns in einer Bar getroffen, festgestellt, dass wir gemeinsame Interessen haben und nebeneinander wohnen." Dynamic Yield sammelt Datenmengen von Millionen Nutzern ihrer Kunden. Spätestens seit bekannt geworden ist, dass Facebook Daten an Cambridge Analytica verkauft hat, ist der Umgang mit Daten ein Thema in der Öffentlichkeit. "In den vergangenen Jahren, wenn wir ein Geschäft in der EU begonnen haben, dann war es eine Vertrauensfrage. Jetzt ist es Frage, ob man Gesetze einhält und ob unsere Kunden Regeln einhalten", sagt Agmon.

Viele Kunden wollten nicht, dass ihre Daten in den USA liegen, wo laxere Vorschriften gelten. "Deshalb haben wir in ein europäisches Datenzentrum investiert. Das geht weit über das hinaus, was die Regulatoren verlangen." Neben der in Frankfurt angesiedelten "Surffarm" arbeitet Dynamic Yield mit einer Rechtsanwaltskanzlei in Deutschland zusammen. Ein "deutsches Prüfsiegel" gelte etwas in der Branche, lacht der 41-Jährige. Das Start-up mit 175 Mitarbeitern habe unter anderem Büros in den USA und Singapur, Berlin sei mit 20 Mitarbeitern der "europäische Hub".

Wer sich bei Dynamic Yield bewirbt, sollte vorher seine Aktivitäten in den sozialen Medien anschauen. Denn das tut Liad Agmon auch. Daraus lasse sich schon viel über die Person ablesen, auch politische Einstellungen: "Vielen Leuten ist nicht klar, dass soziale Medien wirklich Jobzusagen verhindern können." 99 Prozent der Menschen sei nicht bewusst, wie viele Informationen sie preisgeben und dass diese leicht etwa über das Handy beschafft werden könnten. Dazu gehöre auch eine in Israel bekannte TV-Moderatorin: "Ich sag ihr immer, wenn Du keine Nacktfotos im Internet haben willst, dann mach keine."

Agmon hat eine Informationssicherheitsfirma gegründet und im Geheimdienst gearbeitet. "Mir ist sehr bewusst, wie Daten im großen Stil missbraucht werden können. Aber der Nutzen, den ich davon habe, dass ich über Facebook ein großes Netzwerk von Freunden habe, ist größer als der potenzielle Nachteil für meine Privatsphäre. Ich habe eine bewusste Entscheidung getroffen." Ob man als Konsument sicher sein könne, dass eine Firma die personenbezogenen Daten nicht verkaufe? "Sie haben null Garantie. Null." Es gebe immer Firmen, die illegal arbeiteten. Daran werden auch EU-Richtlinien wenig ändern. "Ich kann nur immer wieder sagen, sei vorsichtig bei dem, was Du tust. Gehe sorgsam und bewusst mit Deinen Daten um!"