Nahaufnahme Ärger für Sir Philip

Dem britischen Modemilliardär Philip Green werden Übergriffe vorgeworfen. Politiker fordern nun, dem in Verruf geratenen Unternehmer seinen Ehrentitel "Sir" abzuerkennen.

Von Björn Finke

Es sind hässliche Vorwürfe gegen Sir Philip Green: Eine Managerin klagt, dass der Milliardär ihren Hintern betatscht und ihr Gesicht gegen ihren Willen geküsst habe. Green, der Eigner des britischen Einzelhandelskonzerns Arcadia Group, soll sie zudem ein "unartiges Mädchen" genannt haben. Mehr als eine Million Pfund erhielt die Frau Medienberichten zufolge dafür, mit den Vorwürfen nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Einer anderen Frau soll der verheiratete 66-Jährige, zu dessen Firmenreich die Modeketten Topshop und Miss Selfridge gehören, Hunderttausende Pfund für ihr Schweigen gezahlt haben.

Die Mitarbeiterin hatte sich beschwert, dass er sie vor Kollegen in den Schwitzkasten genommen und unangemessen berührt habe. Ein schwarzer Angestellter bekam demnach eine Million Pfund, um rassistische Vorfälle nicht zu melden. Green soll sich abfällig über seine Dreadlocks geäußert und gesagt haben, er schleudere wohl noch "Speere im Dschungel".

Die Tageszeitung Daily Telegraph berichtete bereits im Oktober darüber, dass ein bekannter britischer Geschäftsmann viel Geld zahle, damit Vorwürfe über sexistische und rassistische Ausfälle nicht publik werden. Allerdings durfte das Blatt nicht den Namen des Mannes nennen; Green hatte das per Gerichtsbeschluss verbieten lassen. Kurz darauf verkündete jedoch ein Mitglied des Oberhauses, dass es in dem Artikel um Green gehe: Lord Hain konnte dies ungestraft tun, denn Abgeordnete dürfen nicht für Aussagen im Parlament belangt werden. Am Wochenende druckte der Daily Telegraph erstmals Details der Beschwerden. Green hatte zuvor sein Gerichtsverfahren gegen die Zeitung aufgegeben.

Politiker fordern nun, Green seinen Ehrentitel "Sir" abzuerkennen. Der Londoner ist 2006 für seine Verdienste um die Modebranche zum Ritter geschlagen worden. Ein Kabinettsmitglied sagte dem Daily Telegraph, Greens Titel sei eine "Riesenblamage". Der Unternehmer, dessen Vermögen auf zwei Milliarden Pfund geschätzt wird, streitet die Vorwürfe ab: "Ich bin seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. Natürlich hat es von Zeit zu Zeit Neckereien gegeben, aber das war nie beleidigend", sagt er.

Es ist nicht das erste Mal, dass Politiker Green seinen Titel wegnehmen wollen. Der Brite verkaufte vor vier Jahren die sieche Kaufhauskette BHS für den symbolischen Preis von einem Pfund an einen unerfahrenen Manager. Dieser hatte zuvor zweimal Insolvenz anmelden müssen. Ein Jahr nach dem Geschäft ging BHS Pleite - mit einem Riesenloch in der Pensionskasse. Green habe sich mit dem Verkauf elegant den Verpflichtungen aus der Betriebsrente entledigen wollen, sagten Kritiker. Green überwies daraufhin freiwillig Geld an die Pensionskasse und durfte den "Sir" vor dem Namen behalten.

Kontroversen provoziert auch, dass seine Frau Tina im Steuerparadies Monaco residiert. Green selbst verbringt ebenfalls viel Zeit in dem Fürstentum. Auf diese Weise spare das Paar viele Steuern, klagen Kritiker. Umso spendabler zeigen sich die Greens bei ihren Feiern. Seinen 60. Geburtstag beging der Manager in einer Ferienanlage in Mexiko. Robbie Williams und Stevie Wonder machten Musik, zu den Gästen gehörten Models und Schauspieler.

Seine Karriere begann Green, der aus einer Unternehmerfamilie stammt, schon mit 21 Jahren. Da importierte er Jeans aus Fernost, die er an Modegeschäfte verkaufte. Beim Start half ihm ein Kredit seiner Verwandten. Später versuchte der erfolgreiche Modemanager, die berühmte Kaufhauskette Marks & Spencer seiner Firmensammlung hinzuzufügen. Das misslang aber. Jetzt kämpft Green nicht um Übernahmen, sondern um seinen Ruf. Oder was davon noch übrig ist.