Nach Cromme-Rücktritt Lehner wird Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp

Ein Nachfolger steht fest: Ulrich Lehner wird im Stahlkonzern Thyssen-Krupp den langjährigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme beerben. Zuletzt war er selbst wegen einer Affäre um eine Millionen-Abfindung in die Kritik geraten.

Thyssen-Krupp hat einen neuen Aufsichtsratschef gefunden: Der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner soll das Kontrollgremium künftig anführen, teilte der Stahlkonzern mit. Anteilseigner und Arbeitnehmervertretern hätten sich darauf geeinigt, Lehner in einer Sondersitzung am 19. März zum Nachfolger von Gerhard Cromme zu wählen.

Der 66-jährige Lehner gehört dem Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat seit 2008 an. Zudem ist er Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom und Interimspräsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis - dort hatten zuletzt Pläne für eine Zahlung von knapp 60 Millionen Euro an den scheidenden Novartis-Präsidenten Daniel Vasella massive Kritik ausgelöst. Lehner hatte nach dem Proteststurm mehr Transparenz gelobt.

Lehner folgt auf den langjährigen Chefaufseher Gerhard Cromme, der das Amt überraschend zur Verfügung gestellt hatte. Der Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns zog sich nach zwölf Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums komplett aus dem Konzern zurück.

In den vergangenen Monaten wurde Cromme immer wieder für Fehlentwicklungen wie das milliardenschwere Desaster der Stahlwerke in Brasilien und den USA sowie Korruptionsfälle und Kartellverstöße verantwortlich gemacht. Auf der Hauptversammlung im Januar hatte Cromme einen Rücktritt noch ausgeschlossen.

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