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Mytheresa-Börsengang:Kein gutes Zeichen für den Dax

Zumindest virtuell dabei: Mytheresa-Chef Michael Kliger und Team beim Börsengang des Unternehmens in New York.

(Foto: Courtney Crow/AP)

Dem Luxus-Modehändler Mytheresa ist ein überraschend guter Start an der New Yorker Börse gelungen. Er könnte ein Vorbild sein für andere Start-ups - und eine Mahnung für die deutsche Börse.

Kommentar von Caspar Busse

Das Debüt, das die Onlinefirma Mytheresa gerade an der Börse in New York hinlegte, kann man durchaus als fulminant bezeichnen: Das Unternehmen aus der Nähe Münchens, das auf den Internethandel von teurer Designermode spezialisiert ist, wird nun mit rund drei Milliarden Dollar bewertet. Schon vor dem ersten Handel war das Interesse der Investoren so groß, dass die Preisspanne, innerhalb der die Aktien angeboten wurden, deutlich nach oben gesetzt wurde. Zum Handelsstart an der Wall Street legte das Papier dann um fast ein Drittel zu. Das ist durchaus spektakulär für ein Unternehmen, das einst als kleine Modeboutique in der Münchner Innenstadt angefangen hat, dann in den Onlinehandel einstieg und heute weltweit mehr als eine halbe Million Kunden hat.

Werden so junge Unternehmen langsam erwachsen? Mytheresa kann dabei durchaus als Vorbild für andere deutsche Start-ups dienen. Das Geschäftsmodell funktioniert, und es ist wichtig, dass junge Firmen Erfolg an der Börse haben, dann können sie sich sinnvoll weiterentwickeln. Mytheresa ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr wurde Delivery Hero, der weltweit tätige Lieferdienst aus Berlin, in den Dax aufgenommen. Hellofresh aus Berlin, ein Anbieter von sogenannten Kochboxen, mit denen sich die Kunden ein Essen selbst zubereiten können, ist erfolgreich. Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac hat im vergangenen Herbst ebenfalls den Sprung an die Börse in New York geschafft. Und mit Auto 1 aus Berlin, einer Online-Plattform für gebrauchte Fahrzeuge, die unter anderem die Seite "wirkaufendeinauto.de" betreibt, oder mit der Softwarefirma Suse stehen schon die nächsten Börsenkandidaten bereit, die es auf eine Bewertung in Milliardenhöhe bringen können.

Die deutsche Börse scheint vielen nicht attraktiv genug - kein gutes Zeichen

Natürlich profitieren fast alle derzeit von den grundlegenden wirtschaftlichen Veränderungen, ausgelöst auch durch die Corona-Pandemie. Digitale Geschäftsmodelle, die skalierbar sind, also schnell auf große Geschäftsvolumina ausdehnbar sind, haben plötzlich einen anderen Stellenwert. Einige Märkte wachsen nun schneller - zum Beispiel die für Essenslieferungen oder für Kochboxen. Forschende Biotechunternehmen haben in dieser Pandemie ohnehin eine neue enorme Bedeutung. So wie der Impfstoffentwickler Biontech aus Mainz, das derzeit wohl bekannteste junge Unternehmen der Welt. Für fast alle diese Firmen ist die Börse sehr wichtig, um den nächsten großen Schritt zu tun, um "erwachsen" und professioneller zu werden. Durch eine Notierung am Aktienmarkt steigt nicht nur die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Anleger. Die Börse ist auch zur Finanzierung gerade junger Unternehmen wichtig, und Geldgeber der ersten Stunde erhalten eine Chance, wieder auszusteigen.

Mytheresa ist das erste deutsche Unternehmen, das in diesem Jahr erfolgreich an die Börse gegangen ist. Natürlich ist die Euphorie auch deshalb groß, aber der Onlinehändler hat mit einer klaren Strategie eine offenbar einträgliche Nische gefunden - den Vertrieb von teurer Luxusmode. Die Kunden bestellen für durchschnittlich 600 Euro pro Sendung, das ist viel Geld. Und Mytheresa arbeitet bereits mit Gewinn, das können nicht viele junge Unternehmen von sich sagen. Dax-Mitglied Delivery Hero etwa ist zehn Jahre nach seiner Gründung immer noch in den Verlusten.

So schlecht ist das Klima für Gründer in Deutschland also nicht. Auffallend ist aber, dass immer wieder Firmen New York für ihren Börsengang wählen. Auch das Management von Mytheresa glaubte, eher dort die richtigen Investoren zu finden. Der Erfolg spricht dafür. Es ist aber kein gutes Zeugnis für Deutschland, dass die Börse hierzulande oft nicht attraktiv genug erscheint. Das muss sich ändern, es braucht auch bei den Kapitalgebern mehr Mut zu Neuem.

© SZ/evg
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