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Mode:Shoppen ist langweilig geworden

Shoppers Ahead Of Consumer Comfort Figures

Immer wieder dasselbe im Angebot: Modegeschäft im kalifornischen Santa Monica.

(Foto: Bloomberg)
  • Das Geschäft der Modeketten ist es, die Kundinnen so oft wie möglich mit neuen Garderoben auszustatten. Doch die ändern ihren Geschmack kaum noch.
  • Skinny-Jeans und lange T-Shirts liegen haufenweise in den Schränken junger Leute. Die Modebranche steht vor einem Problem. Sie wird Ware nur noch mit hohen Rabatten los.

Eigentlich ist Urban Outfitters eine Klamottenkette für junge, coole Leute. In dem Laden an Manhattans Fifth Avenue lässt sich das allerdings nicht auf Anhieb feststellen. Im Schaufenster gibt es bunte Kopfhörer und Schallplatten. Wer eintritt, findet Spielzeugdrohnen, Pickelcremes und Lidschatten. Wer Hosen oder T- Shirts anprobieren will, muss ins Obergeschoss - Kleidung verkauft sich einfach nicht mehr so gut.

Die Mode steckt in einer Art Tiefschlaf, sagt der Chef von Urban Outfitters, Richard Hayne. "Der letzte größere Wandel in der Mode war vor zehn Jahren, als die eng anliegenden Hosen wieder populär wurden", sagte er, als er vor Kurzem seine schlechten Verkaufszahlen mit Kleidung und guten Umsätze mit Accessoires erklären musste. "Heute haben Kundinnen den Schrank voll mit verschiedenen Skinny-Jeans und eine ganz große Menge lange T-Shirts und Sweatshirts, die sie darüber tragen."

Modedesigner haben noch nichts gefunden, was die Massenmarkt-Kundinnen von den Skinny-Jeans und weiten Oberteilen abbringen könnte - Shopping ist langweilig geworden. Für die Modeketten ist das ein riesiges Problem, schließlich ist es ihr Geschäft, die Kundinnen so oft wie möglich mit neuen Garderoben auszustatten. Hayne baut deshalb sein Modeunternehmen um zum Anbieter für alles, was junge Menschen gern haben wollen. Vor Kurzem hat er eine Pizzakette übernommen.

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Ohne große Rabatte werden die Händler kaum etwas los

Besonders hart trifft der Mode-Tiefschlaf die Mode-Mittelklasse. Amerikanische Kunden verschmähen Hersteller wie Urban Outfitters, American Apparel, J.Crew, Gap oder Abercrombie & Fitch genauso wie die Deutschen immer weniger bei Tom Tailor oder Esprit einkaufen. Esprit schrieb im vergangenen Geschäftsjahr rote Zahlen; in Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Markt, ging der Umsatz um 21 Prozent zurück. Nachdem die Hersteller lange den Grund dafür bei aufsteigenden Billigrivalen wie H&M und Zara gesucht haben, haben sie nun einen neuen Schuldigen identifiziert: die Mode selbst.

Ohne große Rabatte können die Ladenketten kaum noch etwas verkaufen und sorgen sich nun, dass Discount-Aktionen der neue Normalzustand sind. Bei Gap zum Beispiel gibt es gerade mal wieder 40 Prozent auf alles, weil Frühlingsanfang ist. Eigentlich müsste es besonders in den USA längst wieder besser laufen. Schließlich ist die Arbeitslosenquote gesunken und das Verbrauchervertrauen gestiegen.

Es geht ja nicht nur um enge Jeans. Wer am Wochenende durch New York spaziert, sieht überall Menschen in Sportklamotten, die gar nicht zum Sport gehen, sondern nur die Kleider so gemütlich finden. Es ist ein Trend zur Praktikabilität, der nicht gut für die Mode ist. Davon profitiert zum Beispiel Lululemon, ein in den Massenmarkt drängender Premiumanbieter, dessen Erfolg mit alltagstauglichen Yogahosen für 100 Dollar oder mehr sogar dem Jeans-Altmeister Levi's zu schaffen macht, wie dessen Chef Chip Bergh gerade zugab. Gap setzt jetzt selbst auf Sportklamotten.

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