bedeckt München 19°

Microsoft:Erfolg aus der Wolke

Satya Nadella, hier bei einer Präsentation auf dem Mobile World Congress im Februar, arbeitet seit 1992 für Microsoft. Seit fünf Jahren steht er an der Spitze des Unternehmens.

(Foto: Gabriel Bouys/AFP)

Das wertvollste Unternehmen der Welt steigert erneut seinen Umsatz, vor allem mit seiner Cloud-Plattform Azure. Dabei hatten Experten den Konzern vor ein paar Jahren abgeschrieben.

Es sei ein Rekord-Geschäftsjahr für Microsoft gewesen, sagt CEO Satya Nadella. Rund 126 Milliarden Dollar - eine Steigerung um 14 Prozent - setzte das Software-Unternehmen aus Redmond im vergangenen Steuerjahr um, das am 30. Juni endete. Wesentlich für den Anstieg ist Microsofts Erfolg mit seinen Cloud-Angeboten, also den Rechnerwolken, die ihren Kunden Speicherplatz für Daten und Anwendungen in einem fremden Rechner-Netzwerk bieten. Damit könnte das Unternehmen dem Marktführer Amazon und anderen Konkurrenten ein paar Anteile abnehmen.

Seit Jahren ist Amazon Web Services (AWS), der Cloud-Dienst-Tochter des Online-Versandhändlers, die unangefochtene Nummer Eins bei der Wolken-Infrastruktur, genannt Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Mit den Ergebnissen festigt Microsoft seinen Platz hinter Amazon und vor Wettbewerber Google. Im vergangenen Quartal machte der Software-Anbieter einen Umsatz von 33,7 Milliarden Dollar. Je rund ein Drittel entfallen auf die drei Geschäftsbereiche. Erstens, Produktivität und Geschäftsprozesse, dazu zählen etwa das Bürosoftware-Paket Office 365 mit einer Steigerung um 31 Prozent, aber auch das Berufsnetzwerk Linkedin, das um 25 Prozent wuchs. Zweitens, alles rund um die Cloud, also die Bereitstellung von Servern und Software über die Plattform Azure. Drittens, "more personal computing", darunter werden das Betriebssystem Windows, aber auch die Surface-Tablets und die Spielkonsole Xbox zusammengefasst. Die größte Umsatzsteigerung legte Microsoft aber bei den Cloud-Diensten hin: um fast 20 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auf das gesamte Vorjahr gerechnet ist das ein Wachstum von 64 Prozent, etwas weniger als in den Jahren zuvor.

Die stabilen Zahlen sind für das 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründete Unternehmen keine Selbstverständlichkeit. Zwar ist Microsoft derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von mehr als einer Billion Dollar. Aber letztlich ist dieser Erfolg vor allem CEO Satya Nadella zuzuschreiben, seit 2014 auf dem Chefposten. In den Jahrzehnten zuvor hatte es einige Managementfehler gegeben. Zunächst hatte der Konzern unterschätzt, wie sich das Internet entwickeln würde - viel zu spät brachte er 1995 den Browser Internet Explorer auf den Markt. Zwar war das Produkt damals für ein paar Jahre Marktführer, doch heute ist Wettbewerber Google Chrome der am meisten genutzte Browser.

2000 zog sich Gründer Bill Gates aus der Führung zurück, ihm folgte sein Freund und Trauzeuge Steve Ballmer, seit 1980 bei Microsoft. Auch Ballmer machte Fehler: Während die Konkurrenz viel schneller auf Trends reagierte, brauchte Microsoft deutlich länger, um sich auf Technologien wie Smartphones und Tablets einzustellen. iPads aus dem Hause Apple etwa gab es seit 2010, Microsoft präsentierte erst zwei Jahre später mit Surface ein eigenes Tablet. Auch die Übernahme des schwächelnden Mobilfunkanbieters Nokia 2013 war umstritten. Ballmer selbst bezeichnete das Betriebssystem Windows Vista als seinen größten Fehler.

Mit Nadella, der zuvor den Bereich Cloud-Computing bei Microsoft verantwortete, ist der Konzern wieder konkurrenzfähig. Und der Markt wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. In Deutschland etwa arbeiten zwar rund 80 Prozent der großen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern längst in Cloud-Infrastrukturen. Doch bei der Gesamtzahl der deutschen Unternehmen ging es in den vergangenen Jahren langsamer voran, 2017 lagen sie laut Branchenverband Bitkom bei etwas mehr als 60 Prozent.

Zu den Cloud-Technologien zählt nicht nur die Infrastruktur mit externen Speicherplätzen, sondern auch Plattform- und Software-as-a-service (PaaS und SaaS). Bei letzterem ist Salesforce führend, auch SAP und Service Now sind starke Konkurrenten. Sie alle profitieren davon, dass sich viele Unternehmen nicht von einem Anbieter abhängig machen wollen und Speicherplatz und Anwendungen lieber an mehreren Stellen nutzen.

Microsoft hat dafür ebenfalls in dieser Woche einen wichtigen neuen Kunden gewonnen. Der US-Telekommunikationsanbieter AT&T Communications unterschrieb einen Vertrag mit dem neuen Partner aus Redmond, der zwei Milliarden Dollar wert sein soll. AT&T will einen Teil seiner Anwendungen bis 2024 in eine öffentliche Cloud überführen, mit Microsoft Azure als bevorzugter Plattform. Teil des Deals ist auch das Office 365-Paket, das auch cloud-basiert genutzt werden kann.

Die Aktionäre von Microsoft zeigten sich jedenfalls zufrieden mit den Ergebnissen: Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 33 Prozent gestiegen, die Aktie legte am Freitag vorbörslich um rund drei Prozent auf 140 Dollar zu.

Wie Konkurrent Amazon im zweiten Quartal dieses Jahres gewirtschaftet hat, gibt das Unternehmen am 25. Juli bekannt. Im ersten Viertel hatte AWS 7,7 Milliarden Dollar umgesetzt, ein Plus von 41 Prozent zum Vorjahreszeitraum.