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Womögliche Metro-Übernahme:Křetínský ist der Richtige

Auch wegen seinen Lobhudeleien für die Braunkohle gerät Daniel Křetínský in die Kritik.

(Foto: AFP)

Ein 43 Jahre junger Tscheche, der in 15 Jahren steinreich geworden ist, will einen deutschen Traditionskonzern kaufen. Klingt für viele seltsam. Aber er kann die Metro eigentlich nur verbessern.

Es klingt schon etwas verrückt, um nicht zu sagen anrüchig: Ein 43 Jahre junger Tscheche, der binnen 15 Jahren steinreich geworden ist, will einen sogenannten deutschen Traditionskonzern kaufen, die Metro AG mit 150 000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von 36 Milliarden Euro, und zwar komplett. Mancher warnt, da könne doch etwas nicht stimmen. Das ist der Punkt, an dem Daniel Křetínský ansetzen kann. Er kann sich erklären, und das liegt in seinem Interesse, wenn er in Deutschland groß investieren will.

Noch kennt hierzulande kaum einer den tschechischen Investor. Viele haben aber die Fernsehbilder im Kopf von den Demonstrationen in Prag gegen den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš, ebenfalls ein zu Macht und schnellem Reichtum gelangter Unternehmer. Für Křetínský ist das eine unglückliche Koinzidenz. Er wäre auch deshalb gut beraten, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie smart er ist. Wenig förderlich sind dabei allerdings Lobhudeleien auf den Klimakiller Nummer eins, die Braunkohle, die Křetínský in seiner Rolle als Investor in der Lausitz anstimmt. Auch da gibt es großen Erklärungsbedarf. Das Entgegenkommen muss allerdings, ganz wie im wahren Leben, von beiden Seiten kommen.

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Solange ihm nichts vorgeworfen werden kann, in seinem Heimatland oder anderswo, gilt es, sich möglicher eigener Vorbehalte bewusst zu werden und Offenheit zu zeigen. Wenn er sich wirklich des Problemfalls Metro annehmen will, verdient Křetínský eine Chance. Soll er's doch versuchen, wenn er sich ernsthaft zutraut, dieses Krisenunternehmen wieder flott zu machen. Aus Arroganz und Borniertheit reflexhaft abzuwinken, wäre falsch. Metro ist Opfer einer Reihe von Fehlentscheidungen und von mangelndem unternehmerischen Ehrgeiz auf Gesellschafterseite. Es ist das Verschulden einer untätigen, ideenlosen Erbengeneration, dass der Konzern wie ein gelähmter Riese darniederliegt.

Bei aller gebotenen Skepsis ist daher zu begrüßen, dass nun endlich jemand anpacken will, vor Energie sprüht und die Dinge bewegen will. Das ist ein gutes Zeichen, für die Metro insgesamt, aber auch für die Mitarbeiter.

Umgekehrt ist auch wahr, dass Křetínský ein Risiko eingeht. Sorgen machen muss man sich um ihn sicher nicht, er hat ausgesorgt. Aber sein Nimbus als jemand, dem alles gelingt, was er sich vornimmt, könnte Schaden nehmen. Es ist fast tollkühn, sich auf das Abenteuer Metro einzulassen. Dass er scheitert, ist viel wahrscheinlicher, als das er reüssiert. Es trotzdem zu wagen, ist anzuerkennen. Dieser unternehmerische Wagemut fehlt den satten, in alpenländischer Abgeschiedenheit lebenden Erben einer einstmals erfolgreichen Händlergeneration, namentlich den Beisheims und Schmidt-Ruthenbecks. Durch Nichtstun und Handaufhalten haben sie den früheren Erfolgskonzern Metro zu dem gemacht, was er heute ist, ein Schatten seiner selbst.

Sie stehen dabei durchaus exemplarisch für ein Vakuum, dass durch ihre unternehmerische Unzulänglichkeiten in Deutschland entstanden ist und das findige Investoren wie Křetínský oder der Österreicher René Benko zu füllen wissen. Gewiss, Metro ist nicht Neckermann oder Grundig, das Unternehmen ist nicht am Ende. Es ist eher auf dem Niveau von C&A und Media Markt, ein Koloss auf der Intensivstation.

Wenn Křetínský sich zurückzieht, schadet das der Metro

Umso beklemmender ist es daher mit anzusehen, wie nun ausgerechnet die glücklosen Erben den Daumen über Křetínský heben oder senken werden. Ohne ihr Okay wird er Metro nicht kriegen. Also werden sie ihm den höchstmöglichen Preis abringen. Und das ist es ja, was sie ziemlich gut können: leichtes Geld verdienen. Ihnen geht es offenbar nicht in erster Linie um das Unternehmen oder die Mitarbeiter, sondern vor allem um das eigene Wohlergehen, was menschlich ist.

Vielleicht rührt es auch zu sehr an der Ehre, zu erkennen, wie es einer mit mehr Elan und klügeren Ideen besser macht. Mit großer Wahrscheinlich wissen sie im Moment selber nicht, wie sie schließlich entscheiden werden. Denn angenommen, Křetínský zieht sich zurück und der Aktienkurs bricht ein, könnte der finanzielle Verlust für sie schmerzhaft sein.

Fest steht seit dem Übernahmeangebot eigentlich nur eins. Metro-Chef Olaf Koch wird mit oder ohne Křetínský nicht mehr lange zu halten sein. Und das ist nach zehn Jahren auch in Ordnung so. Koch hat zu viele Fehler gemacht. Es wird sich also einiges ändern bei der Metro. Noch steht nicht fest, was. Aber im Prinzip kann es nur besser werden.

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