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Meinfernbus und Flixbus:Glücksfall Fernbus

Drei Viertel des Marktes werden die fusionierten Unternehmen Meinfernbus und Flixbus kontrollieren. Das wird die Preise zumindest nicht senken. Doch es gibt gute Gründe, warum Fernbus-Passagiere sich trotzdem freuen können.

Kommentar von Daniela Kuhr, Berlin

Lange Zeit kannten die Deutschen Fernbusse allenfalls aus dem Ausland. Während es beispielsweise in den USA seit Jahrzehnten üblich war, mit einem Greyhound quer durchs Land zu fahren, schützte in Deutschland noch bis vor Kurzem ein Gesetz aus dem Jahr 1931 die Deutsche Bahn vor Konkurrenz auf der Straße. Bis die schwarz-gelbe Koalition in Berlin endlich erkannte, dass das überhaupt nicht mehr in die Zeit passt - und den Fernbusmarkt 2013 freigab.

Der Schritt war überfällig. Das kann man schon daran sehen, wie rasant das neue Angebot angenommen wurde. Im ersten Jahr setzten sich schon acht Millionen Fahrgäste in einen Fernbus. Für das vergangene Jahr schätzen Experten, dass es bereits bis zu 20 Millionen Fahrgäste waren. Offenbar hatten die Menschen nur darauf gewartet, dass es endlich eine Konkurrenz zu Bahn und Flugzeug gibt, die nicht nur umweltfreundlich ist, sondern zudem einen unschlagbaren Vorteil hat: Sie ist geradezu lächerlich billig. Mit ein bisschen Glück kann man jetzt schon für weniger als zehn Euro quer durch Deutschland reisen.

Allerdings haben solche Preise eine Kehrseite: Geld lässt sich damit nicht verdienen. Und so hat denn auch bislang fast keiner der knapp 30 Fernbusanbieter, die mittlerweile auf dem Markt aktiv sind, Gewinne erzielt. Der Fernbus-Pionier Deinbus musste sogar Insolvenz anmelden, und der ADAC hat sich auch schon wieder aus dem Geschäft verabschiedet. Es ist daher eine gute Nachricht, dass sich nun die zwei Größten der Branche, Meinfernbus und Flixbus, zusammentun wollen und dabei von einem finanzstarken Investor unterstützt werden. Denn nur große Unternehmen mit einer ausreichenden Kapitaldecke werden in der Lage sein, in diesem extrem harten Preiskampf um Kunden zu bestehen.

Sorgen von Verbraucherschützern, wonach der Wettbewerb dadurch ausgebremst werden könnte, sind unbegründet. Zwar stimmt es, dass die beiden Unternehmen zusammen 75 Prozent des Marktes abdecken. Doch da es seit der Liberalisierung so gut wie keine Eintrittshürden mehr gibt und quasi jeder mittelständische Busunternehmer morgen eine Fernbuslinie anbieten kann, bleibt der Konkurrenzdruck immer noch groß genug. Zumal diverse Buchungsportale im Internet jederzeit einen Überblick darüber bieten, welches Unternehmen welche Strecke am günstigsten anbietet.

Die Fusion von Meinfernbus und Flixbus war nötig, sie stärkt den neuen Markt

Für die Verbraucher ist der neue Markt ohnehin ein Segen. Vielen Menschen ist es dank der rund 250 neuen Linien erstmals möglich, regelmäßig zu verreisen. Neben Fahrgästen mit wenig Geld zählen dazu auch Reisende, die mit Kindern und jeder Menge Gepäck unterwegs sind, oder Gebrechliche, die dankbar sind für die vielen neuen Direktverbindungen, die es dank der Fernbusse endlich gibt. Gleichzeitig hat sich aber auch das Angebot der Bahn verbessert. Immer wieder Billigtickets und bald kostenloses Wlan für alle - ohne die neue Konkurrenz auf der Straße wäre es dazu nie gekommen.

Mobilität aber gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Und deshalb ist die Freigabe des Fernbusmarkts - trotz aller Anfangsschwierigkeiten, mit denen die Anbieter zu kämpfen haben - nicht nur für die Wirtschaft, sondern vor allem für die Verbraucher ein Riesenerfolg gewesen.

© SZ vom 10.01.2015

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