bedeckt München

Zwischen den Zahlen:Ausgebeutet

Eine Manuka-Wabe. Der Honig ist extrem teuer und daher sehr gefragt.

(Foto: Tomasz Zajda/mauritius images)

Kann die Biene etwa Umweltschutz und Kapitalismus vereinen?

Von Valentin Dornis

Honig ist ein Produkt, das auf der Ausbeutung fleißiger Arbeiterinnen beruht. Tausende Bienen schuften sich den Buckel krumm, nur damit sie am Ende mit Räucherwaren betäubt und wehrlos ihrer gesamten Mühe Lohn beraubt werden. Und zwar von einem Menschen, der das Produkt noch ein bisschen veredelt, es schließlich als das Seine weiterverkauft und den Gewinn zuvorderst in seine eigene Tasche wirtschaftet.

Das Schicksal der Biene könnte, wäre man ein kampfeslustiger Kapitalismuskritiker, als wunderbares Gleichnis für den Zustand eines Wirtschaftssystems dienen, in dem die einen immer mehr wollen, und sich das auf Kosten der anderen leisten. Zumal die Biene ja für noch mehr Symbolhaftes im Kampf gegen die Geißeln des Kapitalismus steht: die Gefahren durch Umweltzerstörung. Doch diesen vermeintlichen Gegensatz zwischen Profitmaximierung und Ökosystem-Erhaltung könnte die Biene vielleicht sogar helfen, aufzulösen.

Dazu ist ein Blick nach Neuseeland nötig. Dort wird Manuka-Honig hergestellt, den ob seiner angeblich äußerst gesunden Eigenschaften alle Welt kaufen will und deshalb bis zu 100 Mal mehr als für gewöhnlichen Honig zahlt. Eine ordentliche Marge, die sich mit der klebrigen Masse machen lässt. Mit dem Erfolg kam deshalb auch ein Problem: Seit Jahren berichten neuseeländische Imker immer wieder von Diebstählen - böse Menschen klauen tonnenweise Honig, aber vor allem auch ganze Bienenvölker, weil sich damit so ein gutes Geschäft machen lässt.

Dass sich solche Räuber-Kapitalisten derart für das Schicksal der Bienen interessieren, ist für die betroffenen Imker zwar betrüblich, für die Zukunft der Weltgemeinschaft aber eine gute Nachricht: Auch ein böser Kapitalist lässt sich zum Umweltschutz bewegen ("Rettet die Bienen!"), er braucht dafür nur ausreichend finanzielle Anreize. Das Problem mit der Ausbeutung der Arbeiterinnen ist dann allerdings immer noch nicht gelöst.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema