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Manipulationen beim Gelben Engel:ADAC-Präsident Meyer sieht sich als "Garant für die Aufklärung"

Von allen Seiten hagelt es Kritik, doch ADAC-Präsident Meyer weist Rücktrittsforderungen als Konsequenz aus der Manipulationsaffäre zurück - und warnt vor einem "Generalverdacht" gegen seinen Club. Ein Auto-Experte fordert weitreichende Konsequenzen, die Staatsanwaltschaft prüft den Fall.

In der Manipulationsaffäre beim ADAC soll die Münchner Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungen prüfen. Es könnten Vorermittlungen oder Ermittlungen aufgenommen werden, heißt es in einem Bericht der Bild-Zeitung. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I sagte demnach, mögliche Tatbestände seien Bestechung oder Vorteilsnahme. Betrug scheide aber aus.

Der inzwischen zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte zugegeben, bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen die Teilnehmerzahlendeutlich nach oben geschönt zu haben. Dies soll nach Angaben von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair über mehrere Jahre geschehen sein.

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt dem Bericht zufolge einen Rücktritt in Folge des Skandals ab. Wenn der Wind von vorn komme, "muss man das auch mal aushalten können", sagte er. Meyer sagte weiter, er sei in dem Fall "der Garant für die Aufklärung in der Sache". Er warnte zudem vor einem "Generalverdacht" gegen den ADAC.

Nach den Manipulationsvorwürfen waren auch Zweifel in anderen Bereichen des Clubs laut geworden. Der Leiter der Abteilung Test und Technik sagte dazu der Westfalenpost, alle ADAC-Tests seien "sachlich nachvollziehbar, fundiert und überprüfbar". Kein Test sei manipuliert worden. Präsident Meyer sagte: "Unsere Technik- und Verbraucherschutztests werden nach festgelegten, stets nachprüfbaren Kriterien durchgeführt. Teilweise sind Zertifizierungsunternehmen an diesen Tests beteiligt; insofern ist eine Manipulation dort ausgeschlossen."

Arroganz und Selbstherrlichkeit

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den ADAC mit seiner derzeitigen Struktur dennoch für gescheitert. Er sprach von Arroganz und Selbstherrlichkeit. "Man schottet sich ab", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Offensichtlich aufgrund des Systems entwickelten sich Dinge, "die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen". In der Passauer Neuen Presse forderte er eine Neuausrichtung des ADAC. Das heutige System neige dazu, dass Manipulationen passierten. Dudenhöffer schlug vor, den ADAC in zwei Gesellschaften aufzuspalten - in die Pannenhilfe und das Wirtschaftsunternehmen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte die ADAC-Führung auf, das verlorene Vertrauen von Mitgliedern und Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Der ADAC solle sich künftig auf seine Kernkompetenz besinnen, sagte Dobrindt der Bild-Zeitung. "Mehr um den einzelnen Autofahrer kümmern, weniger Show und Glitzer - der ADAC ist doch nicht Hollywood!"

Zuletzt hatte der VW-Golf die Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen beim "Gelben Engel" gewonnen. Ein Sprecher des Volkswagen-Konzerns sagte, VW wolle "nicht mit dem Gelben Engel für den VW-Golf werben". Zugleich forderte er von dem Club eine "lückenlose Aufklärung" der Vorgänge.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/jasch

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