Malaysia Airlines nach dem Unglück Die verfluchte Fluglinie

Malaysia-Airlines-Boeing 777-200, Registrierungsnummer 9M-MRD, ist über der Ukraine abgestürzt. (Archivbild)

(Foto: AP)

So hart traf es eine Fluglinie zuletzt am 11. September 2001: Nach dem verschollenen Flug MH370 verliert Malaysia Airlines über der Ukraine eine weitere Maschine. Das könnte ihr Ende sein.

Von Jens Flottau

Die ersten Amateurvideos der schwarzen Rauchwolke über der Absturzstelle kursierten schon im Internet, als sich Malaysia Airlines (MAS) erstmals über Twitter meldete. Man könne bestätigen, dass man Kontakt verloren habe zum Flug MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur, Näheres später.

Diese Zeilen zu schreiben muss jemandem in der Zentrale der Fluggesellschaft äußerste Selbstkontrolle abverlangt haben, wegen des Gefühls, das nicht zum ersten Mal zu tun: Einen ähnlichen Tweet hatte die Airline erst am 8. März 2014 rausgeschickt, als eine erste Boeing 777-200ER irgendwo in Südostasien verschwand, der Flug MH370. Sie ist bis heute nicht entdeckt worden, der Fall hat viele Mitarbeiter im Unternehmen geradezu traumatisiert.

Jetzt also MH17. Erst zwei Fluggesellschaften haben in so kurzer Zeit zwei große Flugzeuge verloren: Am 11. September 2001 brachten Terroristen je zwei Maschinen von American und United Airlines in ihre Gewalt. Sie krachten in die beiden Türme des World Trade Centers in New York, das Pentagon in Washington und auf einen abgelegenen Acker im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Es ist zumindest möglich, dass auch Malaysia Airlines zwei Flugzeuge durch Anschläge verloren hat. Möglich, dass MH370 das Opfer einer Entführung wurde. In der Ukraine wollten die Täter nach US-Informationen eigentlich Transportflugzeuge abschießen, MH17 könnte Opfer einer grausamen Verwechslung gewesen sein.

Malaysias Verkehrsminister Liow Tiong Lai sagte, die Linie nutze die Strecke über die Ukraine seit vielen Jahren, wie viele Fluggesellschaften aus anderen Ländern auch. Er reagierte damit auf den Vorwurf einer islamischen Oppositionspartei, die Maschine hätte wegen Warnungen eine andere Route nehmen müssen.

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Der Ruf ist ruiniert

Malaysia Airlines stand schon vor der jüngsten Katastrophe vor dem wirtschaftlichen Aus. Die Airline gehört zur Flugallianz Oneworld, in der auch Air Berlin und British Airways kooperieren. Doch die Partner können nur wenig helfen. Obwohl die Airline nach menschlichem Ermessen keine Schuld trifft, könnte der jüngste Fall ihr Ende bedeuten, zumindest in ihrer aktuellen Form.

Malaysia Airline ist zwar an der Börse notiert und hat private Anteilseigner, letztlich hat aber bei dem Unternehmen der Staat das Sagen. Noch im Juli stand sowieso eine Entscheidung an, wie es weitergehen soll bei der Fluggesellschaft. Zuletzt hatte sie den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte eingeflogen. Nachdem MH370 verschwunden war, waren die Buchungen eingebrochen. Vor allem auf den wichtigen Routen nach China und Australien flog MAS nach Informationen aus Branchenkreisen oft mit fast leeren Flugzeugen. Nach der Katastrophe war bei vielen Reisenden die Angst zu groß, Ähnliches könne noch einmal passieren. In China ist der Ruf von MAS zudem ruiniert, weil sich die Angehörigen der Opfer nicht schnell genug über den Verlauf der Suche nach dem Wrack informiert fühlten.

Die Anteilseigner jedenfalls müssen handeln und entscheiden, ob sie das Unternehmen erhalten wollen und, falls ja, in welcher Form. Sie erwägen dem Vernehmen nach, profitable Teile der Gruppe wie das Wartungsgeschäft oder die Regionalfluglinie Firefly zu verkaufen. Auch Teile der Fluggesellschaft selbst stehen angeblich auf der Verkaufsliste, aber es ist vor allem angesichts der neuesten Entwicklungen völlig ungewiss, ob sich überhaupt Käufer finden. Etihad Airways aus Abu Dhabi, größter Anteilseigner von Air Berlin, war zuletzt in Verbindung gebracht worden mit Malaysia Airlines. Allerdings bestritt Etihad, dass es dabei um einen Einstieg ging, Gespräche soll es nur über eine lockere Kooperation gegeben haben.

Als letzter Ausweg scheint sich derzeit nur eine Rettungsaktion der malaysischen Regierung anzubieten. Doch stellt sich mittlerweile ernsthaft die Frage, ob es langfristig überhaupt sinnvoll ist, eine Airline mit einer solch tragischen Kette von Abstürzen unter ihrem aktuellen Namen weiterfliegen zu lassen. Eine nicht belastete Neugründung könnte bessere Chancen haben. Wie schlimm auch die wirtschaftlichen Folgen von Abstürzen sein können, wissen United und American, die am 11. September Maschinen verloren, nur zu gut: beide mussten in den vergangenen Jahren ein Insolvenzverfahren durchlaufen und fusionierten mit anderen Fluggesellschaften.