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Luftverkehr:BDL will USA-Flüge mit Corona-Test ermöglichen

Luftfahrtbranche will Konzept auf ausgewählten Strecken testen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) will mit einem Pilotprojekt den wichtigen Transatlantikverkehr wieder in Gang bringen. Zunächst auf ausgewählten Strecken zwischen vier amerikanischen und zwei deutschen Flughäfen sollen Passagiere wieder uneingeschränkt reisen dürfen, vorausgesetzt, sie können einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Ähnliche Pläne sollen auch in anderen EU-Ländern umgesetzt werden. "Die Reiseblockaden müssen verschwinden", sagt BDL-Präsident Peter Gerber.

Zwar haben die Airlines nach dem fast vollständigen Stillstand zwischen April und Juni wegen der Corona-Pandemie wieder einen Teil ihrer innereuropäischen Flüge aufgenommen. Doch die Rückkehr auf die Langstrecke verzögert sich wegen massiver staatlicher Restriktionen. Reisen in die USA und in umgekehrter Richtung sind derzeit sogar nur in Ausnahmefällen erlaubt. Für Unternehmen wie Lufthansa und British Airways sind diese Routen aber mit Abstand das wichtigste und profitabelste Segment, ohne das wegen der vielen Umsteiger auch die Kurz- und Mittelstrecken massiv leiden.

Einen ersten Anstoß, die Transatlantikrouten wiederzueröffnen, hatten die Chefs von IAG, Lufthansa, United und American in einem Schreiben an die US-Regierung und die EU-Kommission schon im Juli gegeben. Sie regten damals umfangreiche Tests für Reisende an. Laut Gerber war die Reaktion in den USA positiv, in der EU und Deutschland aber eher zurückhaltend. Er ist dennoch "optimistisch", dass der Neustart auf diese Weise gelingen könnte. In den USA sind für das Programm zunächst vier Flughäfen vorgesehen - Los Angeles, Newark, Chicago und Boston, in Deutschland Frankfurt und München. Passagiere sollen einen höchstens 48 Stunden alten negativen Test vorweisen oder sich vor Abflug an den Flughäfen testen lassen. Das Risiko, das Virus einzuschleppen, könne dadurch auf "ein extremes Minimum reduziert werden." Gerber glaubt gar, unter diesen Bedingungen könne man auf Masken an Bord verzichten.

Laut BDL ist bei den deutschen Fluglinien im ersten Halbjahr die Nachfrage um 65 Prozent zurückgegangen, noch stärker als in der Branche insgesamt (minus 58 Prozent). Die deutschen Flughäfen registrierten einen Passagierrückgang von 66 Prozent.

© SZ vom 20.08.2020

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