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Lufthansa:Kein Platz im Cockpit

Piloten

Lufthansa hatte die Pilotenausbildung voriges Jahr komplett gestoppt. Jetzt ordnet sie die Ausbildung neu.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Lufthansa gibt wegen der Corona-Krise die Praxisausbildung in Bremen auf und verlagert sie nach Rostock. Die Pläne stoßen auf Kritik.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der Lufthansa-Vorstand hat gravierende Änderungen in der künftigen Ausbildung seiner Piloten beschlossen. Das Unternehmen gibt demnach die Praxisausbildung in Bremen komplett auf und verlagert sie nach Rostock. Die künftigen Kurse sollen vereinheitlicht und vereinfacht werden.

Die Fluggesellschaft hatte die Pilotenausbildung wegen der dramatischen Folgen der Corona-Pandemie 2020 komplett gestoppt. Sie bot den 700 Pilotenschülern an, kostenlos die Ausbildung abbrechen zu können, weil es in den nächsten Jahren keine Aussichten auf einen Platz im Cockpit gebe. Wer darauf bestehe, die Kurse zu beenden, tue das auf eigenes Risiko und laufe Gefahr, die Ausbildungskosten in einem Stück begleichen zu müssen, wenn innerhalb von fünf Jahren keine Stelle frei geworden ist. Viele der Flugschüler haben das Vorgehen scharf kritisiert, sich organisiert und gegen die Entscheidungen geklagt. Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) tat ihren Unmut kund.

Auch die neuen Pläne werden auf Widerstand stoßen. Ein Tarifvertrag legt nämlich fest, dass die Lufthansa-Piloten eine sogenannte Multi-Crew Pilots License (MPL) am Standort Bremen erwerben müssen, deren Anforderungen über die der Air Transport Pilot License (ATPL) hinausgeht. Lufthansa will künftig aber nur noch ATPL-Kurse anbieten, bei denen die Schüler unter anderem nicht mehr auf Jets, sondern auf Propellerflugzeugen ausgebildet werden.

Wenn der Konzern wieder Bedarf hat, müssen sich neue Bewerber zweimal bewerben - für die Ausbildung und nach deren Abschluss für einen Platz im Cockpit bei einem der Lufthansa-Flugbetriebe. Das wirtschaftliche Risiko tragen die Kandidaten alleine. Ihnen soll aber zugesichert werden, dass nur aus ihren Reihen der Nachwuchs für die Airlines des Konzerns rekrutiert wird.

Von den derzeit 700 Flugschülern werden in Bremen nur die aktuell 160 MPL-Kandidaten ihre Ausbildung beenden. Sie dürften dann an der Spitze einer Warteliste stehen für Jobs, die nach der Krise wieder zu besetzen sind. Die übrigen sollen vor neuen Nachwuchspiloten bevorzugt werden, auch wenn sie jetzt ihre Ausbildung unterbrechen. Die Zukunft des Standortes Phoenix/Arizona, wo traditionell ein Teil der Ausbildung stattgefunden hat, ist noch offen.

© SZ/shs
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