ITA Airways:Lufthansa bemüht sich erneut um Krisen-Airline

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ITA Airways: Geparkte Lufthansa-Maschinen in München.

Geparkte Lufthansa-Maschinen in München.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der deutsche Konzern war schon raus aus dem Verkaufsprozess der italienischen Fluggesellschaft. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass er doch den Zuschlag bekommt.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die kurze Geschichte der neuen italienischen Fluggesellschaft ITA Airways ist bereits voller Dramen. Seit ITA im vergangenen Jahr als Nachfolger der legendär defizitären Alitalia zu fliegen begann, gab es milliardenschwere Flugzeugkäufe, Hunderte Millionen an Anlaufverlusten und eine spektakulär gescheiterte Privatisierung. Es läuft alles schon wieder auf die nächste Krise zu, denn ITA braucht, da sind sich fast alle einig, einen finanzkräftigen Partner.

In der neuesten Wendung sieht es nun so aus, als wäre ein möglicher Verkauf des Unternehmens an die Lufthansa als Investor wieder möglich. Dem Vernehmen nach ist der Konzern längst dran, die ITA-Bücher zu prüfen, und befindet sich auf der Suche nach einem Partner. Bei diesem könnte es sich nach SZ-Informationen um die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) handeln. Lufthansa würde demnach 51 Prozent übernehmen, FS weitere 29 Prozent, der italienische Staat bliebe mit 20 Prozent beteiligt. Zunächst hatte darüber der Corriere della Sera berichtet.

Lufthansa äußert sich nicht offiziell zu dem Thema, aber das starke Interesse an ITA ist verbürgt. Schon vor 15 Jahren wäre sie beinahe bei der damaligen Alitalia eingestiegen - der ehemalige Aufsichtsratschef Jürgen Weber verhinderte es noch in letzter Minute. Der Grund für das Interesse ist klar: Italien ist nach den USA der wichtigste ausländische Markt für den Airline-Konzern, was also läge näher, als dort auch eine eigene Airline zu betreiben?

Doch die Sache ist komplizierter. Wegen der Schwäche von Alitalia und später ITA haben sich mittlerweile die Billigfluggesellschaften in Italien etabliert, allen voran Ryanair. Die irische Fluglinie hat derzeit einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent in Italien, die Ticketpreise sind entsprechend niedrig - Lufthansa/ITA können also im Europaverkehr kaum etwas gewinnen, auch wenn sie bereit wären, massiv in eine neue Flotte zu investieren und sich anschließend auf den Kampf mit Ryanair einzulassen. Auf der Langstrecke, die potenziell lukrativer ist, spielt ITA kaum eine Rolle, sie müsste sich gegen massive Konkurrenz der amerikanischen Anbieter oder auch der Golf-Airlines behaupten.

Die bisherigen Interessenten sind abgesprungen

Und schließlich würde die Lufthansa sich indirekt selbst schwächen: Zusammen mit ihrer Regionaltochter Air Dolomiti zieht sie Umsteiger auf ihre Drehkreuze in Frankfurt und München und füllt dort die Großraumjets. Wenn ITA selbst eine Langstreckenflotte im Konzern aufbauen würde, würden diese Passagiere mehr und mehr fehlen. Schon jetzt bietet der Konzern von fünf Drehkreuzen (Frankfurt, München, Brüssel, Wien und Zürich) aus Fernreisen an.

Das ITA-Privatisierungsverfahren war schon bislang turbulent. In der ersten Runde standen sich am Ende ein gemeinsames Angebot von Lufthansa und der Reederei MSC sowie der US-Finanzinvestor Certares gegenüber. Kurz vor ihrem Ende gab die Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten Mario Draghi Certares den Vorzug, auch weil Lufthansa auf möglichst wenig Staatseinfluss bestand, die Amerikaner das Thema aber nicht so eng sahen. Certares ließ aber die Fristen für die Exklusivverhandlungen verstreichen - die neue Regierung unter Georgia Meloni stand mit leeren Händen da.

Zuletzt überschlugen sich die Ereignisse: Obwohl sie im Wahlkampf noch das Gegenteil behauptet hatte, ist Meloni nun offenbar für den Verkauf - das Problem ITA sollen andere lösen. Gleichzeitig aber hatte auch MSC-Gründer Gianluigi Aponte genug von dem Theater und zog sich zurück, ebenso wie Certares. Bleibt Lufthansa, vielleicht mit der Bahngesellschaft, vielleicht ohne - SZ-Informationen zufolge gibt es noch keine Einigung. Was den Kaufpreis angeht, wäre die Sache gut gelaufen: Angeblich soll Lufthansa nur noch 250 Millionen für 51 Prozent zahlen, das wäre nur etwa die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises.

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