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Lufthansa:Absturz auf ganzer Linie

Lufthansa dampft Gewinnziel für 2019 ein - Preiskampf belastet

Ob auch die Flieger mit dem Kranich bestreikt werden sollen, ist nicht klar. Bei den Konzerntöchtern Eurowings und Germanwings könnte es im Juli losgehen.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Lufthansa steht unter Druck und muss ihre Gewinnprognose senken. Die Aktie stürzt ab. Es gibt viele Ursachen. Im Europageschäft verfallen die Preise und es gibt Überkapazitäten. Die Kosten müssen schneller sinken.

Dieses Mal sollte es nun aber wirklich klappen. Eurowings sollte es im Geschäftsjahr 2019 endlich aus den roten Zahlen schaffen, nachdem immer wieder etwas dazwischengekommen war. Zuletzt vor allem die teure Integration von großen Teilen der insolventen Air Berlin.

Es sollte klappen - aber es wird nicht klappen: Die Lufthansa Group sah sich am Sonntagabend gezwungen, per Ad-hoc-Mitteilung eine deutliche Gewinnwarnung zu verschicken. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einen Gewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro. Bisher hatte der Konzern 2,4 bis 3,0 Milliarden angestrebt, im vergangenen Jahr waren es noch 2,8 Milliarden Euro Gewinn, 2017 sogar drei Milliarden. Der Aktienkurs der Lufthansa gab am Montag prompt um zwischenzeitlich bis zu zwölf Prozent nach.

Für die schlechten Zahlen gibt es mehrere Ursachen. Während das Langstreckengeschäft weiter gut läuft, verfallen die Preise im Europageschäft immer mehr. "Insbesondere in den Heimatmärkten Deutschland und Österreich sind wir durch anhaltende Überkapazitäten unter Druck", schreibt die Lufthansa. "Aggressiv in den Markt drängende Wettbewerber sind bereit, erhebliche Verluste hinzunehmen, um ihre Marktanteile auszubauen." Bei Eurowings werden kurzfristig Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich bei den durchschnittlichen Erlösen erwartet, auch die anderen Airlines des Konzerns berichten von ähnlichen Zahlen.

Eurowings, der Spezialist für europäischen Direktverkehr, hatte zuletzt hohe Verluste aufgehäuft, sollte diese aber im Verlauf eines starken zweiten Halbjahres wieder ausgleichen. Einerseits, weil sich die Preise stabilisieren würden, andererseits, weil interne Sparmaßnahmen und Synergien endlich greifen sollten. Nun aber muss Lufthansa einräumen, dass "die Fortschritte bei der Reduzierung der Eurowings-Kosten langsamer als erwartet eintreten." Das Management werde in Kürze weitere Maßnahmen vorstellen, um die Kosten schneller zu senken.

Die hohen Kosten bei Eurowings sind schon seit Jahren ein Problem. Auch die klassisch ausgerichteten Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian reagieren, indem sie ihr Wachstum stoppen. Im kommenden Winter planen sie, nur noch geringfügig mehr Sitze anzubieten.

Gleichzeitig leidet auch das Frachtgeschäft unter deutlich schwächerer Nachfrage. Lufthansa Cargo nimmt drei Frachter aus dem Flugprogramm, um die Kapazität zu senken. Dennoch wird auch die Logistiksparte voraussichtlich einen geringeren Gewinn ausweisen als in den Vorjahren.

Lufthansa rechnet damit, im Jahr 2019 etwa 550 Millionen Euro mehr für Treibstoff auszugeben als im vergangenen Jahr. Wegen einer geänderten Steuerrechtssprechung muss das Unternehmen zudem eine Rückstellung in Höhe von 340 Millionen Euro bilden, die sich auf die Jahre 2001 bis 2005 bezieht.