Luftfahrt:Airbus verteidigt Umbaupläne

Luftfahrt: Produktion bei Premium Aerotec. Airbus will womöglich zwei Werke der Tochter in Augsburg und Varel verkaufen.

Produktion bei Premium Aerotec. Airbus will womöglich zwei Werke der Tochter in Augsburg und Varel verkaufen.

(Foto: Premium Aerotec/oh)

Konzernchef Guillaume Faury will am Donnerstag im Kanzleramt erklären, warum sich der Flugzeughersteller von Teilen der deutschen Werke trennen will. Der Betriebsrat lehnt die Pläne vehement ab.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Oberflächlich betrachtet hätte die Entscheidung von Airbus-Chef Guillaume Faury bei den Betriebsräten Freude auslösen müssen. Als Teil seiner neuen Produktionsstrategie hatte Faury im Frühjahr mit seinem Vorstand beschlossen, dass Airbus seine Tochtergesellschaft Premium Aerotec nach jahrelangen Versuchen nun doch nicht mehr verkauft. Der Bau von großen Rumpfkomponenten, auf den Premium Aerotec spezialisiert ist, soll künftig wieder als Kerngeschäft gelten und in eine neue Firma unter dem Projektnamen Airbus Aerostructures überführt werden.

Tatsächlich aber verursachen die Pläne großen Ärger. Denn gemäß des ursprünglichen Konzeptes würde Premium Aerotec mit Hauptsitz in Augsburg nicht als Ganzes erhalten bleiben. Das Augsburger Werk 4 und der Standort Varel stehen demnach zum Verkauf - beide fertigen Kleinteile und sind Airbus zufolge nicht wettbewerbsfähig. Mehr als 3000 Mitarbeiter wären von dem Verkauf betroffen. Und nun geht es Schlag auf Schlag: am Donnerstag treten dem Vernehmen nach Faury und seine Kollegen bei Kanzleramtsminister Helge Braun an, um die Zukunft der deutschen Airbus-Standorte zu erläutern und um Zustimmung der Bundesregierung zu werben. Am Freitag werden dann die Betriebsräte über das Ergebnis einer internen Studie informiert. Airbus äußert sich nicht zu den Terminen.

Nach heftigen Protesten hatte Airbus vor Monaten eingewilligt, den Verkauf der Kleinteilefertigung noch einmal von allen Seiten zu beleuchten. Option A, die Airbus bislang bevorzugt hat, ist der Verkauf an einen strategischen Investor, womöglich würde der Konzern als Minderheitseigner vorläufig an Bord bleiben. Option B, die wiederum Betriebsräte und IG Metall einfordern, ist es, keines der Werke zu verkaufen und intern für günstigere Kosten zu sorgen.

Die IG Metall und die Airbus-Betriebsräte kritisieren das Management in einem Brief an Braun scharf. Die Veränderung bei der Strukturmontage "schwächt (...) den Luftfahrtstandort Deutschland nachhaltig, gefährdet mittelfristig Tausende Arbeitsplätze und stellt ganze Standorte in Frage", so heißt es. Airbus destabilisiere "weite Teile der nationalen Wertschöpfungskette". Premium Aerotec zu zerschlagen, sei eine "rote Linie, die nicht überschritten werden darf".

Airbus betrachtet die Einzelteilfertigung nicht mehr als Kerngeschäft

Dabei hätten die Arbeitnehmervertreter weitgehende Zugeständnisse gemacht. Sei seien bereit, den Abbau von bis zu 700 nicht mehr wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen in der Einzelteilefertigung mitzutragen, aber nur dann, wenn garantiert sei, dass höherwertige Arbeitspakete hinzukämen. Auch die neue Airbus Aerostructures, in der auch andere deutsche Airbus-Standorte ganz oder teilweise aufgehen sollen, lehnen sie nicht grundsätzlich ab, bestehen aber darauf, dass Premium Aerotec als Ganzes hineintransferiert werden soll.

Airbus-Finanzchef Dominik Asam hingegen betont in einem offenen Brief an die Mitarbeiter, dass das Unternehmen die Einzelteilfertigung nicht mehr als Kerngeschäft betrachte. "Für eine nachhaltig positive Entwicklung dieses Bereiches braucht es vor allem zwei Dinge: Investitionen und Auslastung. Beides wird Airbus für diesen derzeit nicht wettbewerbsfähigen Bereich (...) auf Dauer nicht bieten können." Der Verkaufsprozess für den Premium Aerotec-Teil habe aber noch nicht begonnen.

Airbus will mit dem Umbau seit langem bestehende strukturelle Schwächen beseitigen. Der Konzern hatte seit 2009 versucht, Premium Aerotec und die ähnlich aufgebaute französische Tochtergesellschaft Stelia Aerospace zu verkaufen. Dafür wurden sie zuvor aus der Kernorganisation herausgelöst. Der Nachteil: "Alles musste über Vertrags- und Preisverhandlungen laufen. Es war einfach zu komplex", sagte der damalige operative Airbus-Vorstand Michael Schöllhorn im Juni. Schöllhorn leitet mittlerweile das Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft.

© SZ
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