Insolventer Fernsehgerätehersteller Loewe droht personeller Kahlschlag

Bislang setzte Fernsehgerätehersteller Loewe auf die Strategie: "Made in Germany". Damit dürfte nach der Insolvenz Schluss ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Fernsehgerätehersteller Loewe steht vor einem großen Stellenabbau. Offenbar will das Unternehmen bald weitgehend im Ausland fertigen lassen - nicht nur dem Großteil der knapp 500 Mitarbeiter am Stammsitz in Kronach droht die Entlassung.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Sie könnte unerfreulich verlaufen, die Dienstagnachmittag angesetzte Betriebsversammlung beim insolventen Fernsehgerätehersteller Loewe. Zumindest für jene Mitarbeiter, die am Firmensitz im oberfränkischen Kronach TV-Geräte montieren. Denn nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus firmennahen Kreisen droht bei dem krisengeschüttelten Traditionsunternehmen ein Kahlschlag. Im Zuge der laufenden Sanierung und wohl auch, um Loewe für potenzielle Investoren attraktiver zu machen, soll ein Großteil der knapp 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Dahinter steckt unter anderem der Plan, Loewe-Fernseher nicht mehr in Deutschland, sondern kostengünstiger im Ausland zu fertigen.

Das wäre die Abkehr von der Strategie, auf "Made in Germany" zu setzen und unter anderem damit die, gemessen an den asiatischen Marktführern Samsung, LG und Panasonic, deutlich höheren Preise für Loewe-Fernseher zu rechtfertigen. Bisher werden die Einzelteile zwar in Asien gekauft; Montage, Endkontrolle und Kundendienst finden jedoch in Kronach statt.

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Loewe-Chef Ralf Vogt bestätigte indirekt die Pläne. "Ja, es kann zu Einschnitten kommen, die über den bisherigen Planungen liegen", sagte er. Letztendlich sei der Umfang der Stellenstreichungen "auch vom Konzept eines zukünftigen Investors abhängig". Man müsse aber unabhängig davon "die Kosten an die Umsatzerwartungen anpassen, um das Unternehmen in die Gewinnzone zu steuern". Dabei sei "die Verlagerung weiterer TV-Produktlinien eine Option, die derzeit intensiv untersucht wird".

Im Zuge dessen, so Vogt weiter, würden aktuell mit den Arbeitnehmervertretern "unterschiedliche Optionen besprochen, solange das Unternehmen ohne neuen Investor agiert". Mit anderen Worten: Die Zahl der Arbeitsplätze soll entsprechend dem rückläufigen Geschäft nach unten korrigiert werden. Ein Sprecher der IG Metall wollte sich dazu nicht äußern.

Loewe Technologies, wie das Unternehmen seit der Übernahme durch den Münchner Finanzinvestor Stargate Capital vor fünf Jahren heißt, kämpft seit 2018 mit erheblichen Einbußen beim Geräteabsatz und entsprechend auch beim Umsatz. Von einem Rückgang von 20 bis 25 Prozent ist die Rede. Vogt wollte auf Nachfrage keine Angaben zur Höhe der aufgelaufenen Verluste und zum Schuldenstand machen. Ein Insider sprach von "brutal roten Zahlen".

Seit Anfang Mai steckt Loewe in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das heißt, das Management um Vogt führt weiter die Geschäfte, wird aber von einem gerichtlich bestellten Sachwalter beraten und kontrolliert. Die Verantwortlichen kämpfen aktuell mit einer Fülle von Problemen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Insolvenz schickten Lieferanten keine Einzelteile mehr und forderten zusätzliche Sicherheiten.

"Der größte Teil" liefere inzwischen wieder, sagt Vogt, was im Umkehrschluss allerdings heißt, dass einige Zulieferer Loewe nach wie vor nicht versorgen. Als Folge musste die Geräteproduktion weitgehend eingestellt werden, weshalb der Handel nicht mehr beliefert werden konnte. Das sei bei Insolvenzen nicht ungewöhnlich, sagt Vogt, und verweist darauf, dass man "in den letzten Tagen" wieder mit der Auslieferung begonnen habe.

Über Einnahmen aus dem operativen Geschäft hinaus braucht Loewe vor allem eines: frisches Kapital. Und zwar in großem Umfang. Seit Monaten sucht man Investoren; dem Vernehmen nach laufen Gespräche mit Interessenten. Wie konkret sie sind, ist nicht bekannt. Von einem neuen Gesellschafter hängt auch ab, wie viele Menschen in Zukunft noch bei Loewe arbeiten werden. Vor einem Jahrzehnt waren es noch mehr als 1000 allein in Kronach. Branchenexperten rechnen damit, dass dort auf Dauer bestenfalls noch die Entwicklung und der Vertrieb eine Zukunft haben. Die Produktion wird bereits darauf ausgerichtet, auch für andere Bereiche wie Heizungs- oder Klimatechnik Elektronikkomponenten herzustellen. Aktuell wird darüber nachgedacht, sie abzutrennen und als eigenständiges Unternehmen zu führen - oder zu verkaufen.

"Es herrscht am Fernsehmarkt eine Wegwerfmentalität"

Es ist ein Konglomerat aus Problemen und Fehlern, das Loewe nach der Insolvenz vor fünf Jahren abermals in eine Existenzkrise stürzen ließ. Da ist zum einen die Entwicklung des Marktes für Fernsehgeräte, auf dem seit Langem ein heftiger Preiskampf tobt, im Zuge dessen die Geräte technisch besser, aber auch billiger werden. Im ersten Quartal 2019 stieg der Absatz von Fernsehern in Deutschland zwar um 8,6 Prozent, der Durchschnittspreis sank jedoch um 8,2 Prozent.

Besonders unter Preisdruck sind Geräte mit großen Bildschirmen. Loewe fällt es zunehmend schwerer, Preise von mehreren Tausend Euro für ein Gerät allein mit Made in Germany, besonders qualitativer Technik, Design und langfristigem Kundenservice zu begründen. "Es herrscht am Fernsehmarkt eine Wegwerfmentalität", sagt ein Händler. "Die Leute kaufen lieber billige Geräte, und wenn sie kaputt sind, schmeißen sie sie weg und holen sich neue."

Loewe kämpft aber nach Aussage von Insidern auch mit hausgemachten Problemen. Bis vor wenigen Monaten führte Stargate-Capital-Manager Mark Hüsges als Eigentümer auch die Geschäfte, obwohl er keine Branchenerfahrung mitbrachte. Seine Versuche, Loewe mit Audio-Geräten und Software auf eine breitere Basis zu stellen, hatten keinen durchschlagenden Erfolg. Für Kritik sorgte auch, dass Loewe teilweise über den Online-Versender Geräte günstiger anbot, als Fachhändler sie bei der Firma einkaufen konnten.

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